Beim vierten Termin in Folge findet der Hufschmied keine Stelle mehr, an der ein Nagel sicher sitzen würde. Die Wand ist ausgebrochen, die alten Löcher liegen zu dicht beieinander.
An diesem Punkt stellt sich die Frage nicht mehr grundsätzlich, sondern konkret.
Kleben schont die Hufwand nachweislich. Für den Hufmechanismus gilt das nicht automatisch. Beides gehört auseinandergehalten.
Wichtige Erkenntnisse
- Beide Verfahren sind Handwerk. Wer wechseln möchte, bespricht das vorher mit dem Hufschmied.
- Nageln nimmt Wandsubstanz weg. Jeder Nagel setzt ein Loch, das erst über Monate herauswächst.
- Kleben setzt kein Loch. Das ist der eindeutige, unstrittige Vorteil bei dünner oder ausgebrochener Wand.
- Kleben heißt nicht automatisch mehr Hufmechanik. In einer Untersuchung an sieben Vollblütern bewegten sich die Trachten unter geklebten Aluminiumeisen sogar weniger als unter genagelten.
- Auf die Bauart kommt es an. Geklebte Polyurethanschuhe unterschieden sich in einer weiteren Arbeit nicht von genagelten Eisen.
- Die Vorbereitung entscheidet über die Haltbarkeit. Fettfreie, trockene, saubere Wand – daran scheitert eine Klebung häufiger als am Kleber.
Befestigen ohne Nagellöcher Der DynamixIHTprime wird geklebt oder verschraubt – die Hufwand bleibt unversehrt.
Zum DynamixIHTprimeWas unterscheidet Nageln und Kleben grundsätzlich?
Die Krafteinleitung. Ein genagelter Beschlag hängt an der Hufwand: Die Nägel greifen schräg durch das Wandhorn und halten den Beschlag von innen. Ein geklebter Beschlag haftet flächig auf der äußeren Wand oder der Sohle. Die Last verteilt sich damit auf eine größere Fläche.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen:
| Nageln | Kleben | |
|---|---|---|
| Halt entsteht durch | Nagel im Wandhorn | Klebefläche auf der Wand |
| Voraussetzung am Huf | tragfähige, ausreichend dicke Wand | saubere, trockene, fettfreie Fläche |
| Verlust von Wandsubstanz | ja, je Nagel ein Kanal | nein |
| Empfindlich gegen | dünne, brüchige, ausgebrochene Wand | Feuchtigkeit und Fett bei der Verarbeitung |
| Nacharbeit unterwegs | Nagel nachschlagen | einzelne Lasche neu verkleben |
| Zeitaufwand am Termin | eingespielt, schnell | Vorbereitung und Aushärten einplanen |
Der DynamixIHT nutzt Klebelaschen, die den Trägerkörper mit der Hufwand verbinden. Die Laschen sind Verbrauchsmaterial und lassen sich einzeln nachbestellen.
Nach der Klebeanleitung des Herstellers ist der Beschlag fertig und voll belastungsfähig, sobald alle Laschen verklebt sind.

Schont Kleben die Hufwand wirklich?
In diesem Punkt ist die Antwort eindeutig ja. Ein Nagel nimmt Wandsubstanz heraus und hinterlässt einen Kanal, der erst mit dem Nachwachsen des Horns verschwindet. Bei acht bis zehn Millimetern Hornzuwachs im Monat dauert das je nach Sitzhöhe des Nagels mehrere Monate.
Bei einer bereits geschwächten Wand summiert sich das:
- Alte Nagellöcher liegen in derselben Zone wie die neuen.
- Bricht die Wand rund um ein Loch aus, fehlt Fläche für den nächsten Beschlag.
- Der Hufschmied weicht auf andere Stellen aus – die Auswahl wird enger.
- Am Ende trägt der Beschlag an weniger Punkten als vorgesehen.
Genau hier liegt der praktische Nutzen des Klebens, unabhängig von jeder Diskussion über Dämpfung oder Hufmechanik. Es kommt kein neues Loch dazu.
Wie sich die Hornqualität von innen beeinflussen lässt, damit die Wand wieder trägt, steht in unserem Beitrag zur Hufqualität und Fütterung.

Lässt Kleben mehr Hufmechanik zu als Nageln?
Nicht zwangsläufig – und das ist der am häufigsten überzogene Verkaufsarm. Sieben Vollblüter wurden auf dem Laufband in Schritt, Trab, Kanter und Galopp gemessen, die Hufe zuerst mit geklebten und später mit genagelten Aluminiumeisen. Ein Sensor zwischen den Trachten zeichnete die Bewegung fortlaufend auf.
Das Ergebnis lief der Erwartung zuwider: Die Gesamtbewegung der Trachten war unter der geklebten Variante geringer als unter der genagelten, in Schritt und Trab an allen Gliedmaßen (Yoshihara et al., Equine Veterinary Journal 2010).
Eine spätere Arbeit relativiert das wieder:
| Untersuchung | Vergleich | Befund zur Trachtenbewegung |
|---|---|---|
| Yoshihara 2010, 7 Vollblüter | geklebtes gegen genageltes Aluminiumeisen | geklebt weniger Gesamtbewegung |
| JEVS 2022, Vollblüter | flexibler Polyurethan-Klebeschuh gegen genageltes Eisen | kein signifikanter Unterschied |
| Brunsting 2019, 8 Pferde | konventionelles Eisen gegen barhuf | Eisen deutlich weniger Weitung |
Die Klebung als solche befreit den Huf nicht. Was zählt, ist die Steifigkeit des Aufbaus und wie weit er die Trachten umschließt – nicht die Frage, ob er genagelt oder geklebt wurde (Comparison of Heel Movement, JEVS 2022).
Wer also hört, geklebter Hufschutz erhalte „den natürlichen Hufmechanismus“, sollte nachfragen, welche Bauart gemeint ist.
Klebelaschen für den nächsten Termin
Das Verbrauchsmaterial für die Klebebefestigung, einzeln nachbestellbar – damit es da ist, bevor es gebraucht wird.
Zu den Klebelaschen
Woran hängt die Haltbarkeit einer Klebung?
An der Vorbereitung, nicht am Kleber. Eine Klebefläche muss sauber, trocken und fettfrei sein. Fetthaltige Huföle, Reste einer alten Klebung, feuchtes Horn oder feiner Staub aus dem Raspeln sind die mit Abstand häufigsten Gründe dafür, dass eine Lasche schon nach wenigen Tagen wieder aufgeht.
Die Reihenfolge am Termin:
- Huf bearbeiten und die Klebefläche an der Wand anrauen.
- Staub restlos entfernen, ohne die Fläche danach anzufassen.
- Trocken arbeiten – die Fläche darf nicht nass sein.
- Alle Laschen verkleben, dann ist der Beschlag belastungsfähig.
- Nach wenigen Tagen kontrollieren, ob jede Lasche noch sitzt.
Nach Herstellerangabe stört Feuchtigkeit nach dem Aushärten weder Haftung noch Festigkeit, und die Klebung ist gegen Ammoniak aus Pferdeurin unempfindlich. Die Haltbarkeit ist bei fachgerechter Verarbeitung mit einem genagelten Beschlag vergleichbar.
Das sind Herstellerangaben, keine Studienergebnisse. Nachprüfen lässt sich das an Ihrem Pferd. Die Schritte im Einzelnen stehen in den Anleitungen.

Für welchen Huf passt welche Befestigung?
Der Zustand der Hufwand entscheidet, nicht die Grundsatzfrage. Bei einer gesunden, ausreichend dicken Wand funktionieren beide Verfahren zuverlässig. Interessant wird die Wahl erst dort, wo etwas dagegen spricht: eine dünne Wand, wiederkehrende Ausbrüche, ein empfindlicher Huf oder eine sehr nasse Haltung.
| Situation am Huf | Was näherliegt |
|---|---|
| Dicke, gesunde Wand, kein Vorbefund | beides möglich, Gewohnheit entscheidet |
| Dünne oder brüchige Wand | Kleben, weil kein Loch dazukommt |
| Viele alte Nagellöcher dicht beieinander | Kleben, bis die Wand herausgewachsen ist |
| Nach Hornspalt oder Wandausbruch | Kleben, Belastung der Bruchstelle vermeiden |
| Sehr nasse Haltung, schlammiger Auslauf | Vorbereitung erschwert, mit dem Fachmann klären |
| Fohlen und Jungpferde | in Absprache, häufig gar kein Beschlag nötig |
Bei Hufrehe, Strahlbeinproblemen oder anderen Befunden ist die Befestigungsart Teil eines Behandlungsplans. Diese Entscheidung treffen Tierarzt und Hufschmied gemeinsam, nicht ein Ratgebertext.

Was ändert sich für Sie im Alltag?
Vor allem die Art der Nacharbeit. Ein gelöster Nagel wird nachgeschlagen, eine gelöste Klebelasche nach dem sorgfältigen Entfernen der Kleberreste neu verklebt. Beides ist Routine, solange das passende Material im Stall vorrätig liegt – und beides ist ärgerlich, wenn genau das fehlt.
Drei Punkte lohnen sich unabhängig vom Verfahren:
- Täglich mit auskratzen und dabei den Sitz kurz prüfen. Zwei Sekunden je Huf.
- Verbrauchsmaterial vorhalten. Laschen im Putzkasten kosten weniger als ein Sondertermin.
- Termine kurz takten. Ein Abstand von höchstens sechs Wochen begrenzt Hebelwirkung und Ausbrüche (Leśniak et al., Animals 2017).
Wer wechseln will, macht das nicht vor dem Turnier, sondern in einer ruhigen Woche mit Puffer.
Vorher nachlesen
Beschlagsanleitung und Klebeanleitung als PDF – zum Ausdrucken für die Stallgasse.
Zu den Anleitungen
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Ist geklebter Hufschutz schonender als genagelter?
Für die Hufwand ja. Beim Kleben entsteht kein Nagelkanal, der erst über Monate herauswachsen muss. Das ist besonders relevant bei dünner, brüchiger oder bereits ausgebrochener Wand. Für die Bewegung der Trachten lässt sich dieser Vorteil dagegen nicht pauschal behaupten.
Erhält geklebter Hufschutz den Hufmechanismus besser?
Nicht automatisch. In einer Untersuchung an sieben Vollblütern war die Gesamtbewegung der Trachten unter geklebten Aluminiumeisen sogar geringer als unter genagelten. Eine spätere Arbeit fand zwischen flexiblen Klebeschuhen und genagelten Eisen keinen Unterschied. Entscheidend ist die Bauart, nicht die Befestigungsart.
Wie lange hält eine Klebung?
Nach Angaben des Herstellers ist die Haltbarkeit bei fachgerechter Verarbeitung mit einem genagelten Beschlag vergleichbar. In der Praxis bestimmt ohnehin das Nachwachsen des Horns den nächsten Termin. Löst sich eine einzelne Lasche, lässt sie sich nach gründlichem Entfernen der Kleberreste neu verkleben.
Was ist der häufigste Fehler beim Kleben?
Eine nicht ausreichend vorbereitete Fläche. Fetthaltige Huföle, Reste alter Klebung, feuchtes Horn oder Schleifstaub verhindern die Haftung zuverlässiger als jede Belastung danach. Die Fläche muss sauber, trocken und fettfrei sein und darf danach nicht mehr berührt werden.
Kann ich zwischen Nageln und Kleben wechseln?
Ja, das ist üblich – etwa wenn die Wand sich erholen soll. Sprechen Sie den Wechsel vorher mit Ihrem Hufschmied ab, weil die Hufe für eine Klebung anders vorbereitet werden. Planen Sie den Termin mit zwei bis drei Tagen Puffer, nicht direkt vor einem Turnier.