Strahlfäule vorbeugen: Trockenheit, Luft und Hufform

Der schwarze, schmierige Belag in der mittleren Strahlfurche riecht schon, bevor man den Huf ganz angehoben hat.

Danach beginnt in vielen Ställen dieselbe Runde: Tinktur kaufen, zwei Wochen pinseln, Problem kommt wieder.

Strahlfäule ist in erster Linie ein Haltungs- und Hufformproblem, kein Flaschenproblem. Wer nur behandelt, behandelt immer wieder.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Erreger ist bekannt. In einer Untersuchung ließ sich Fusobacterium necrophorum in den betroffenen Hufen nachweisen, der Klauenfäule-Erreger der Schafe dagegen nicht.
  • Nässe und Schmutz sind die Grundvoraussetzung. Das Bakterium braucht ein feuchtes, sauerstoffarmes Milieu.
  • Enge Trachten und tiefe Strahlfurchen erhöhen das Risiko. Was schlecht belüftet ist, trocknet nicht ab.
  • Die Behandlung ist mechanisch, bevor sie chemisch ist. Betroffenes Gewebe wird entfernt, dann kommt die Trockenlegung.
  • Ohne Änderung der Einstreu bleibt der Erfolg kurz. Das gilt für jedes Mittel.
  • Tiefe, schmerzhafte Läsionen gehören untersucht. Sie können bis in empfindliche Strukturen reichen.

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Was ist Strahlfäule eigentlich?

Eine bakterielle Zersetzung des Strahlhorns. Betroffen ist zuerst die mittlere Strahlfurche, häufig auch die beiden seitlichen. Das Horn wird schwarz, weich und schmierig, dazu kommt ein charakteristischer fauliger Geruch. In der Tiermedizin wird die Erkrankung als nichtproliferative Pododermatitis des Strahls geführt.

Zur Frage, welcher Erreger dahintersteckt, gibt es eine gezielte Untersuchung: Aus je vierzehn Proben von acht Pferden mit Strahlfäule und acht gesunden Pferden ließ sich Fusobacterium necrophorum nachweisen, der bei Schafen für Klauenfäule verantwortliche Dichelobacter nodosus dagegen nicht (Petrov und Dicks, Veterinary Microbiology 2013).

Acht Pferde je Gruppe sind wenig. Für die Praxis genügt aber die Richtung: Es handelt sich um ein Bakterium, das ohne Sauerstoff auskommt und feuchtes, verschmutztes Milieu braucht.

Genau daraus ergibt sich die gesamte Vorbeugung. Ein Erreger, der Nässe und Luftabschluss benötigt, verliert seine Grundlage, wenn beides wegfällt.

Ein weisser Schimmel mit langer heller Maehne steht auf einer Weide und blickt zur Seite, im Hintergrund verschwommenes Gruen.

Welche Bedingungen begünstigen Strahlfäule?

Dauerhafte Feuchtigkeit, Schmutz und eine schlechte Belüftung des Strahls. Das Standardwerk der Tiermedizin nennt übermäßige Feuchtigkeit, mangelhafte Hufhygiene und verschmutzte Stallverhältnisse als die maßgeblichen Ursachen. Hinzu kommt ein Faktor, der im Stall regelmäßig übersehen wird: die Form des Hufs selbst.

FaktorWarum er das Risiko erhöht
Nasse, selten gemistete BoxAmmoniak und Feuchtigkeit weichen das Horn auf
Matschiger Auslauf ohne trockenen BereichDer Huf trocknet nie vollständig ab
Wenig BewegungDer Strahl wird kaum durchgewalkt und gereinigt
Tiefe, enge StrahlfurchenSchmutz bleibt liegen, Luft kommt nicht heran
Enge TrachtenDer Strahl liegt eingeklemmt zwischen den Trachtenwänden

Der letzte Punkt ist gut dokumentiert: Pferde mit tiefen Strahlfurchen und engen Trachten entwickeln die Erkrankung häufiger als Pferde mit weiten Trachten und flachen Furchen (Merck Veterinary Manual, Thrush in Horses).

Damit wird aus einem Hygienethema auch ein Hufthema. Ein Huf, der sich beim Auffußen weiten kann, hält seine Furchen offener.

Nahaufnahme eines unbeschlagenen Pferdehufs mit kraeftigem Koetenbehang, der auf grobem Kies steht, daneben wachsen gruene Pflanzen.

Was hilft im Stall wirklich?

Trockenheit, Bewegung und tägliches Auskratzen – in dieser Reihenfolge. Jedes Mittel wirkt nur so lange, wie die Bedingungen es zulassen. Ein Huf, der zwölf Stunden am Tag in nasser Einstreu steht, lässt sich nicht mit einer abendlichen Anwendung trockenlegen. Die Maßnahmen selbst sind unspektakulär.

  1. Täglich alle vier Hufe auskratzen, dabei die Strahlfurchen gezielt ausräumen.
  2. Trockenen Liegebereich schaffen, ausreichend einstreuen und konsequent misten.
  3. Im Auslauf einen befestigten, trockenen Bereich anbieten, den das Pferd erreichen kann.
  4. Bewegung ermöglichen, weil der Strahl dabei belastet und mechanisch gereinigt wird.
  5. Regelmäßig bearbeiten lassen, damit lose Strahlanteile entfernt werden.

Der zweite Punkt ist der teuerste und der wirksamste. Wer nur an Punkt eins arbeitet, verschiebt das Problem.

Zur Behandlung selbst gilt: Betroffenes Gewebe wird zuerst mechanisch entfernt, danach folgt die Trockenlegung und Desinfektion. Das Ausschneiden gehört in fachkundige Hände – zu viel entferntes Horn schafft ein neues Problem.

Zwei unbeschlagene Vorderhufe mit dichtem Koetenbehang stehen auf gefrorenem, raureifbedecktem Boden zwischen einzelnen Grashalmen.

Welche Rolle spielen Hufform und Beschlag?

Sie bestimmen, wie gut der Strahl arbeiten und abtrocknen kann. Ein Strahl, der beim Auffußen Bodenkontakt hat, wird bei jedem Tritt durchgewalkt. Ein Strahl, der zwischen engen Trachten hoch über dem Boden liegt, wird das nicht – und bleibt damit dauerhaft feucht und verschmutzt.

Der Zusammenhang mit dem Beschlag ist indirekt, aber real:

  • Ein genageltes Eisen begrenzt die Trachtenweitung. In einer Genter Untersuchung an acht Pferden weiteten sich die Trachten unter konventionellem Eisen in allen Gangarten signifikant weniger als barhuf (Brunsting et al., The Veterinary Journal 2019).
  • Weniger Weitung heißt engere Furchen, in denen Schmutz länger liegen bleibt.
  • Eine geschlossene Sohlenauflage hält Schmutz erst gar nicht in der Furche, muss dafür aber sauber gehalten werden.

Keine dieser Bauformen verursacht oder verhindert Strahlfäule für sich genommen. Sie verändern nur, wie viel tägliche Pflege nötig ist.

Wer bereits mit engen Trachten zu tun hat, spricht die Hufform beim nächsten Termin gezielt an – das ist wirksamer als jede weitere Tinktur.

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Woran erkennen Sie den Unterschied zu einem harmlosen Befund?

Am Geruch, an der Konsistenz und an der Tiefe. Ein bisschen dunkles, festes Horn in der Strahlfurche ist normal. Strahlfäule riecht faulig, das Material ist schmierig-schwarz, und die Furche lässt sich mit dem Hufkratzer weiter öffnen als erwartet. Beim gesunden Huf ist genau das nicht der Fall.

BeobachtungEinordnung
Dunkles, festes Horn, kein Geruchunauffällig, normale Verschmutzung
Schwarz, schmierig, fauliger GeruchStrahlfäule, Behandlung beginnen
Furche lässt sich tief ausräumenfortgeschritten, fachkundig ausschneiden lassen
Schmerzreaktion beim Sondierentiefer reichende Läsion, tierärztlich abklären
Blutung beim Reinigenempfindliches Gewebe erreicht, nicht weiter selbst arbeiten

Die letzten beiden Zeilen sind die entscheidenden. Eine schmerzhafte oder blutende Läsion kann bis in empfindliche Strukturen reichen und gehört untersucht – auch dann, wenn das Pferd sonst normal läuft.

Ein braunes Pferd mit dichter Maehne steht in hohem Gras auf einer Koppel und frisst, im Hintergrund verlaeuft ein Weidezaun.

Was ist mit den vielen Mitteln aus dem Reitsportgeschäft?

Sie sind der letzte Schritt, nicht der erste. Die tiermedizinische Vorgehensweise ist eindeutig: zuerst betroffenes Gewebe entfernen, dann die Umgebung trockenlegen, erst dann ein austrocknendes oder desinfizierendes Mittel anwenden. Wer die ersten beiden Schritte überspringt, behandelt gegen die Bedingungen an.

Beim Auswählen und Anwenden helfen drei Punkte:

  • Sparsam und gezielt anwenden. Großflächiges Auftragen greift auch gesundes Horn an.
  • Nicht dauerhaft anwenden. Austrocknende Mittel über Monate machen das Horn spröde.
  • Wirkung nach zwei Wochen beurteilen. Bleibt der Geruch, stimmt an den Bedingungen etwas nicht.

Ein Mittel, das jedes Jahr im Herbst wieder gebraucht wird, ist kein Mittel, sondern ein Hinweis. Dann lohnt sich der Blick auf Einstreu, Auslauf und Hufform.

Täglich zwei Sekunden je Huf

Beim Auskratzen gleich den Sitz des Hufschutzes prüfen. Was dabei auffällt, steht in den Anleitungen.

Zu den Anleitungen
Eine Hand haelt den Huf eines Pferdes mit angebrachtem bernsteinfarbenem Hufschutz und anthrazitfarbenen Einlagen im Gegenlicht.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was verursacht Strahlfäule beim Pferd?

Eine bakterielle Zersetzung des Strahlhorns. In einer gezielten Untersuchung ließ sich in betroffenen Hufen Fusobacterium necrophorum nachweisen, nicht aber der bei Schafen für Klauenfäule verantwortliche Erreger. Das Bakterium braucht ein feuchtes, sauerstoffarmes Milieu, wie es in nasser, verschmutzter Einstreu entsteht.

Warum kommt Strahlfäule immer wieder?

Weil die Bedingungen unverändert bleiben. Ein Mittel wirkt gegen die vorhandenen Bakterien, nicht gegen dauerhafte Nässe, verschmutzte Einstreu oder eine Hufform, die den Strahl nicht abtrocknen lässt. Ohne trockenen Liegebereich und tägliches Auskratzen ist jeder Behandlungserfolg nur vorübergehend.

Begünstigt ein Beschlag Strahlfäule?

Nicht unmittelbar. Ein konventionelles genageltes Eisen begrenzt allerdings die Trachtenweitung messbar. Engere Trachten bedeuten engere Strahlfurchen, in denen Schmutz länger liegen bleibt. Der tägliche Pflegeaufwand steigt dadurch – die Erkrankung entsteht deswegen aber nicht zwangsläufig.

Kann ich Strahlfäule selbst behandeln?

Die tägliche Reinigung und ein trockener Liegeplatz sind Ihre Aufgabe. Das Ausschneiden betroffenen Gewebes gehört dagegen in fachkundige Hände, weil zu viel entferntes Horn ein neues Problem schafft. Bei Schmerzreaktion oder Blutung während der Reinigung ist eine tierärztliche Abklärung angezeigt.

Wie beuge ich Strahlfäule am wirksamsten vor?

Mit einem trockenen Liegebereich, konsequentem Misten und täglichem Auskratzen aller vier Hufe einschließlich der Strahlfurchen. Dazu ausreichend Bewegung, damit der Strahl belastet und mechanisch gereinigt wird, und ein regelmäßiger Bearbeitungstermin. Die Einstreu ist dabei der teuerste und zugleich wirksamste Punkt.