Von Eisen auf DynamixIHT: So läuft die Umstellung

Das alte Eisen liegt auf der Stallgasse, der Huf ist ausgeschnitten, und dann steht die Frage im Raum: Muss da wirklich wieder Eisen drauf?

Die Umstellung auf einen Zwei-Komponenten-Kunststoffbeschlag ist kein Schalter, den man umlegt. Sie ist ein Termin mit anderer Hufbearbeitung, anderem Werkzeug und ein paar Tagen, in denen sich das Pferd neu sortiert.

Wer den Wechsel plant statt ihn zu improvisieren, erspart sich die meisten Überraschungen.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Wechsel ist Handwerk. Besprechen Sie ihn vorher mit Ihrem Hufschmied, damit Material und Zeit am Termin vorhanden sind.
  • Der Huf wird anders vorbereitet als für ein Eisen. Nach der Klebeanleitung des Herstellers bleibt das Sohlenhorn Richtung Tragrand stehen, und der Strahl übernimmt tragende Funktion.
  • Rechnen Sie mit mehr Zeit am Termin. Anpassen, Verschweißen und Verkleben dauern länger als das Aufnageln eines Eisens.
  • Die Eingewöhnung zählt in Tagen, nicht in Wochen. Bei zehn Shetlandponys stiegen vertikaler Impuls und maximale vertikale Kraft erst 72 Stunden nach dem Aufbringen geklebter, strahlunterstützender Schuhe deutlich an.
  • Ein verändertes Gangbild ist nicht zu erwarten. Bei 15 Pferden veränderte routinemäßiges Ausschneiden und Beschlagen die Hufgeometrie messbar, die Kopf- und Beckenbewegung im Trab dagegen nicht.
  • Herstellerangabe ist keine Studie. Belastbarkeit nach dem Verkleben, Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit und Ammoniak: Das steht in der Anleitung, nicht in einer begutachteten Arbeit.

Der Beschlag, um den es geht Der DynamixIHTprime ist der Zwei-Komponenten-Verbundschuh aus hartem Kern und stoßdämpfender Auflage.

Zum DynamixIHTprime

Warum wechseln Pferdehalter überhaupt vom Eisen weg?

Meist gibt ein konkretes Problem den Anstoß, nicht die Grundsatzfrage. Eine Hufwand, die keine Nägel mehr sicher trägt. Ein Pferd, das auf hartem Boden klamm geht. Ein Befund, der Entlastung verlangt. Oder schlicht der Wunsch nach einem Beschlag, der sich verschrauben und im Winter mit Grip ergänzen lässt.

Typische Anlässe aus der Praxis:

  • Ausgebrochene oder dünne Hufwand. Die alten Nagellöcher liegen zu dicht beieinander, es fehlt tragfähige Fläche.
  • Harte, trockene Böden im Sommer. Das Pferd geht fühlig, obwohl der Huf gesund aussieht.
  • Winter mit Aufstollen. Der Beschlag soll sich mit Spikes oder einem Grip-Bügel nachrüsten lassen.
  • Orthopädischer Anlass. Der Beschlag ist Teil eines Plans, den Tierarzt und Hufschmied gemeinsam aufstellen.

Was Eisen und Kunststoff grundsätzlich unterscheidet, steht ausführlich in unserem Vergleich Eisen gegen Kunststoff-Hufschutz.

Ein Wechsel ohne Anlass ist kein Fehler, aber er löst auch kein Problem. Wer wechselt, sollte benennen können, was besser werden soll.

Bernsteinfarbener Zwei-Komponenten-Hufschutz von vorn mit anthrazitfarbenen Gummieinlagen und sichtbaren Messinggewinden auf Weiss.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel?

Am regulären Beschlagstermin, in einer ruhigen Woche. Die Umstellung braucht keinen Sondertermin, aber Puffer danach: zwei bis drei Tage, in denen Sie das Pferd beobachten können, ohne dass ein Turnier, ein Transport oder ein Kurs dazwischenkommt. Alles andere erhöht nur den Druck auf alle Beteiligten.

ZeitpunktEinschätzung
Regulärer Termin nach fünf bis sechs Wochengünstig, der Huf ist ohnehin fällig
Woche vor Turnier, Transport oder Prüfungungünstig, kein Spielraum für Nacharbeit
Frisch nach einem Wandausbruchmachbar, aber Materialbedarf vorher klären
Während einer akuten Lahmheiterst abklären lassen, dann entscheiden
Vor dem ersten Frostgünstig, Grip und Spikes lassen sich mitplanen

Ein Argument für Geduld: Alte Nagellöcher verschwinden nicht über Nacht. Die Hufwand wächst um etwa acht bis zehn Millimeter im Monat (Animals 2022, Übersichtsarbeit). Je nach Sitzhöhe der alten Löcher dauert es damit mehrere Monate, bis die Wand wieder durchgehend intakt ist.

Die Größe gehört vor den Termin geklärt, nicht an den Termin. Gemessen wird die ausgeschnittene Hufunterseite in Länge und Breite.

Vor dem Termin die Größe bestimmen

Länge und Breite der Hufunterseite messen und in der Tabelle nachschlagen – so liegt am Termin das richtige Material bereit.

Zur Größentabelle
Schematische Zeichnung eines Pferdehufs von unten mit eingezeichneten Massen fuer Laenge und Breite zur Bestimmung der Hufschutzgroesse.

Wie wird der Huf anders vorbereitet als für ein Eisen?

Hier liegt der eigentliche Unterschied. Für ein Eisen wird die Sohle Richtung Tragrand freigelegt, damit allein der Tragrand trägt. Für den DynamixIHT gilt nach der Herstelleranleitung das Gegenteil: Das Sohlenhorn Richtung Tragrand bleibt stehen und wird gemeinsam mit dem Tragrand plan geraspelt. So entsteht mehr Auflagefläche.

Was die Anleitungen des Herstellers dazu vorgeben:

  • Sohlenhorn Richtung Tragrand nicht wegschneiden. Sohle und Tragrand werden zusammen plan geraspelt, damit die Last flächig einleitet.
  • Der Strahl bekommt tragende Funktion. Weniger Strahlkürzung heißt nach Herstellerangabe mehr Gangkomfort. Bei mehr als einem Millimeter Abstand zwischen Steg und Strahl wird mit Silikon unterfüllt.
  • Zerfallshorn entfernen, Rand plan arbeiten. Das beugt dem sogenannten Tellerhufeffekt vor.
  • Nicht die kleinste passende Größe wählen. Der Verlauf der Hornwand wird am Beschlag angezeichnet, überstehendes Material wird abgetragen.
  • Beim Kleben: Hufwand anschleifen, entstauben, entfetten. Vorgesehen sind Körnung 100 bis 120, ein fettfreies Tuch und Aceton, ausdrücklich kein Alkohol.

Das sind Verarbeitungsvorgaben des Herstellers, keine Studienergebnisse. Sie stehen so in der Beschlags- und der Klebeanleitung und sind für den Fachmann am Huf gedacht, nicht für den Pferdehalter.

Ob genagelt oder geklebt wird, hängt vom Zustand der Wand ab. Die Abwägung im Einzelnen steht in unserem Beitrag Nageln oder Kleben.

Nahaufnahme eines unbeschlagenen Pferdehufs mit kraeftigem Koetenbehang, der auf grobem Kies steht, daneben wachsen gruene Pflanzen.

Wie läuft der Umstellungstermin selbst ab?

In derselben Reihenfolge wie ein Beschlagstermin, nur mit anderen Werkzeugen. Ausschneiden, Größe wählen, Beschlag anpassen, befestigen, vorführen. Statt Amboss und Hammer kommen Bandschleifer oder Winkelschleifer, ein Heißluftgerät für die Klebelaschen und beim genagelten Aufbau die vom Hersteller empfohlenen Nagelsorten zum Einsatz.

SchrittWas passiertWorauf zu achten ist
HufbearbeitungZerfallshorn weg, Sohle und Tragrand planSohlenhorn Richtung Tragrand stehen lassen
Größe und FormHufform am Beschlag anzeichnen, Material abtrageneher die größere passende Größe
Befestigung genageltZehennägel, hinterer Nagel, dann SeitenkappenNägel flacher ansetzen als beim Eisen
Befestigung geklebtLaschen anschweißen, entfetten, einzeln verklebentrocken, staubfrei, fettfrei arbeiten
KontrolleVorführen in Schritt und TrabSitz von unten prüfen, bevor es weitergeht

Nach der Klebeanleitung ist der Beschlag fertig und voll belastungsfähig, sobald sämtliche Laschen verklebt sind. Feuchtigkeit beeinträchtigt danach weder Haftung noch Aushärtung, und gegen Ammoniak aus Pferdeurin ist die Klebung unempfindlich. Die Haltbarkeit ist nach Herstellerangabe bei fachgerechter Verarbeitung mit einem genagelten Beschlag vergleichbar.

Auch das sind Angaben des Herstellers. Sie stammen aus der Verarbeitungsanleitung und sind nicht durch eine unabhängige Untersuchung geprüft.

Material für den ersten Termin

Das Set enthält Hufschutz, Klebelaschen, Kleber und Schleifpapier – damit am Termin nichts fehlt.

Zum DynamixIHT Set
Eine Hand haelt den Huf eines Pferdes mit angebrachtem bernsteinfarbenem Hufschutz und anthrazitfarbenen Einlagen im Gegenlicht.

Wie lange dauert die Eingewöhnung nach der Umstellung?

Rechnen Sie mit wenigen Tagen, nicht mit Wochen. Bei zehn Shetlandponys wurden geklebte, strahlunterstützende Schuhe aufgebracht und die Kräfte auf einer Druckmessplatte erfasst. Vertikaler Impuls und maximale vertikale Kraft stiegen nicht sofort, sondern erst 72 Stunden nach dem Aufbringen deutlich an. Die Tiere belasteten also erst nach drei Tagen wieder voll.

Was dabei hilft, die ersten Tage einzuordnen:

ZeitraumWas üblich istWann Sie nachfragen
Erste Stundenvorsichtiger, tastender Gangdeutliches Schonen einer Gliedmaße
Tag 1 bis 3zunehmend normale BelastungVerschlechterung statt Besserung
Tag 4 bis 10gewohntes Gangbild, Sitz kontrollierengelöste Lasche, wandernder Beschlag
Woche 2 bis 6Alltag wie zuvorWärme, Pulsation, plötzliche Lahmheit

Dass ein Beschlagstermin an sich das Gangbild kippt, ist wenig wahrscheinlich. Bei 15 Pferden veränderten sich Kronrandmaße, Zehenwandlänge, Trachtenlänge und Hufwinkel nach dem Ausschneiden und Beschlagen messbar, die Gesamtbewegung von Kopf und Becken im Trab dagegen nicht (Kelleher et al., Journal of Equine Veterinary Science 2021).

Pferde gleichen Veränderungen der Hufform ohnehin aktiv aus. Bei 18 Warmblütern blieben Stützdauer und Abrolldauer zwischen zwei Tagen und acht Wochen nach dem Beschlag unverändert; der Ausgleich lief über den Winkel im Fesselgelenk (van Heel et al., American Journal of Veterinary Research 2006).

Was Sie in den ersten Tagen sehen, ist Anpassung, nicht das Endergebnis. Wie Sie die erste Zeit nach dem Termin gestalten, steht in Reiten nach dem Beschlag.

Ein geschecktes Pferd mit heller Maehne und Behang trabt ueber eine gruene Wiese, im Hintergrund stehen Baeume im Sonnenlicht.

Was ist nach der Umstellung realistisch zu erwarten?

Weniger Spektakel, als die Werbung nahelegt, und mehr Handarbeit, als viele denken. Der Beschlag schützt, dämpft und lässt sich verschrauben. Er verändert die Hufmechanik nicht automatisch zum Besseren, und er heilt nichts. Was sich verlässlich sagen lässt, hängt daran, woher die jeweilige Aussage stammt.

AussageWoher sie stammtWas daraus folgt
Über 90 Prozent StoßdämpfungHerstellerangabenicht als Studienergebnis zitierbar
Rund zwei Drittel leichter als EisenHerstellerangabenachwiegen, wenn es darauf ankommt
Haltbarkeit wie ein genagelter BeschlagKlebeanleitung des Herstellersam eigenen Pferd überprüfbar
Geringere Lahmheit als unbeschlagenPerino 2002, Masterarbeit, sechs Pferde, nicht begutachtetHinweis, kein Beweis
Hufgeometrie ändert sich beim BeschlagenKelleher 2021, 15 Pferdebelegt, das Gangbild blieb dabei gleich

Zwei Dinge bleiben unabhängig vom Material gleich. Erstens der Takt: Ein Abstand von höchstens sechs Wochen begrenzt Hebelwirkung und Ausbrüche (Animals 2017, 26 Arbeitspferde). Zweitens die tägliche Kontrolle beim Auskratzen, zwei Sekunden je Huf.

Bei Hufrehe, Strahlbeinproblemen, Hornspalten oder ungeklärter Lahmheit ist der Beschlag Teil einer Behandlung, nicht ihr Ersatz. Diese Entscheidung treffen Tierarzt und Hufschmied gemeinsam.

Zwei bernsteinfarbene Hufschutze in Anthrazit und Gelb stehen nebeneinander auf einer Holzbank, im Hintergrund unscharfes Stallinneres.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Kann ich mitten im Beschlagsintervall auf den DynamixIHT umstellen?

Möglich ist es, sinnvoll ist der reguläre Termin. Der Huf wird für diesen Beschlag ohnehin neu bearbeitet, und das Sohlenhorn Richtung Tragrand soll dabei stehen bleiben. Wer bis zum fälligen Termin wartet, spart einen zusätzlichen Eingriff am Huf und bekommt den Wechsel ohne Zusatzkosten.

Wie lange braucht mein Pferd, bis es normal läuft?

In einer Untersuchung an zehn Shetlandponys stiegen vertikaler Impuls und maximale vertikale Kraft erst 72 Stunden nach dem Aufbringen geklebter Schuhe deutlich an. Drei Tage sind damit ein realistischer Erwartungswert. Verschlechtert sich das Gangbild in dieser Zeit statt sich zu bessern, gehört das abgeklärt.

Muss der Huf für den Kunststoffbeschlag anders ausgeschnitten werden?

Ja. Nach der Anleitung des Herstellers wird das Sohlenhorn Richtung Tragrand nicht weggeschnitten, sondern gemeinsam mit dem Tragrand plan geraspelt, und der Strahl übernimmt tragende Funktion. Das ist der auffälligste Unterschied zur Vorbereitung für einen Eisenbeschlag und gehört vorher besprochen.

Hält der Beschlag genauso lange wie ein Eisen?

Nach Angaben des Herstellers ist die Haltbarkeit bei fachgerechter Verarbeitung mit einem genagelten Beschlag vergleichbar. Eine unabhängige Untersuchung dazu gibt es nicht. Den Takt gibt ohnehin das Nachwachsen des Horns vor: rund acht bis zehn Millimeter im Monat, also ein Termin alle fünf bis sechs Wochen.

Kann ich später wieder auf Eisen zurück?

Ja, der Wechsel funktioniert in beide Richtungen. Beim Rückwechsel wird der Huf wieder wie für einen Eisenbeschlag vorbereitet, die Sohle also Richtung Tragrand freigelegt. Planen Sie auch dafür einen ruhigen Termin ein und keine Woche vor einem Turnier oder einem längeren Ritt.