Nach dem Hufabszess: Hufschutz in der Reha

Vor zehn Tagen stand der Wallach auf drei Beinen. Der Tierarzt fand den Abszess am Tragrand, öffnete ihn, und seit das Horn durchbrochen war, geht das Pferd wieder fast normal. Der Hufschutz liegt seitdem in der Sattelkammer.

Jetzt stellt sich die Frage, die in keiner Behandlungsanleitung steht: Wann kommt er wieder an den Huf? Und muss es derselbe sein, genagelt an derselben Stelle, an der gerade erst Eiter herauslief?

Ein Hufabszess ist mit dem Öffnen nicht erledigt. Die Hornkapsel braucht Wochen, bis die Öffnung geschlossen ist, und bei einem Durchbruch am Kronrand Monate, bis der Defekt herausgewachsen ist. In dieser Zeit entscheidet der Hufschutz mit, ob der Huf geschont wird oder die nächste Eintrittspforte entsteht.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Hufabszess gehört zu den häufigsten Ursachen plötzlicher, hochgradiger Lahmheit. Eine Auswertung von 160 Fällen der Universität von Pennsylvania ist nach Angaben der Autoren die erste rückblickende Studie dazu überhaupt [1].
  • Die Lage des Durchbruchs bestimmt die Dauer. In derselben Auswertung lag die Rate der Behandlungstage bei Abszessen am Kronrand rund dreimal so hoch wie bei den übrigen, bei im Sommer diagnostizierten gut neunmal so hoch [1].
  • Ein Abgang über die Sohle ist der günstige Fall. Nach dem Öffnen sollte die Lahmheit laut Merck Veterinary Manual innerhalb von zwölf Stunden deutlich nachlassen, der Huf bleibt drei bis fünf Tage verbunden [2].
  • Ein Defekt am Kronrand braucht neun bis zwölf Monate, bis er unten ankommt. So lange dauert es, bis die Hornkapsel eines erwachsenen Pferdes einmal vollständig erneuert ist [3].
  • Der Hufschutz kommt zurück, wenn nichts mehr abfließt und der Huf auf die Zange nicht mehr reagiert [2]. Ob genagelt oder geklebt, hängt davon ab, wo der Abszess saß und wie stabil die Wand daneben ist.
  • Feuchtigkeit und lange Bearbeitungsintervalle machen den Huf angreifbar. Bei 942 niederländischen Pferden hatten Tiere mit einem Intervall von 8 bis 10 Wochen ein 4,8-fach höheres Risiko für Sohlenquetschungen als wöchentlich bearbeitete [4].

Der Zwei-Komponenten-Hufschutz Tragender Kern, dämpfende Polster an Tragrand und Trachten, genagelt oder mit Klebelaschen zu befestigen.

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Was passiert bei einem Hufabszess im Huf?

Bakterien dringen durch eine Lücke in der Hornkapsel ein und bilden unter dem Horn Eiter, der nicht entweichen kann. Weil die Hornkapsel kaum nachgibt, steigt der Druck schnell an, und genau dieser Druck verursacht den Schmerz. Das Pferd belastet den Huf von einem Tag auf den anderen kaum noch, oft ohne sichtbare Verletzung [2].

Die Eintrittspforte bleibt in den meisten Fällen unbekannt. Das Merck Veterinary Manual nennt natürliche Defekte der Hornkapsel und Verletzungen durch Fremdkörper, Hufnagel oder Sohlenquetschung, vermutet aber bei den meisten Pferden Mikrorisse oder eine Ablösung der weißen Linie [2].

EintrittspforteTypische Situation
Ablösung oder Erweiterung der weißen Linienasser Boden, langes Bearbeitungsintervall, schlechte Hornqualität
Mikrorisse im Hornschneller Wechsel zwischen nass und trocken
SohlenquetschungSteine, harter Boden, dünne Sohle
HufnagelNagel zu nah am empfindlichen Gewebe
StichverletzungNageltritt im Gelände, Fremdkörper im Strahl

Wie häufig solche Eintrittspforten sind, zeigt eine niederländische Erhebung. 21 Hufschmiede beurteilten 942 zufällig ausgewählte Pferde beim regulären Ausschneiden. Bei 85 Prozent fanden sie mindestens einen Hufbefund, die meisten davon geringgradig: Sohlenquetschungen bei 24,7 Prozent, eine Erkrankung der weißen Linie bei 17,8 Prozent, eine erweiterte weiße Linie bei 11,8 Prozent [4].

Der Abszess selbst ist nach einer Auswertung von 160 Fällen der Feldpraxis des New Bolton Center eine der häufigsten Ursachen für eine plötzliche, hochgradige Lahmheit. Die Autoren halten ihre Arbeit für die erste rückblickende Studie zum Sohlenabszess überhaupt [1]. Das heißt auch: Vieles, was über die Behandlung gesagt wird, beruht auf Erfahrung, nicht auf Messung.

Nahaufnahme eines unbeschlagenen Pferdehufs mit kraeftigem Koetenbehang, der auf grobem Kies steht, daneben wachsen gruene Pflanzen.

Wie lange dauert es, bis ein Hufabszess ausgeheilt ist?

Von wenigen Tagen bis zu einem Jahr, je nachdem, wo er aufgeht. Ein Abszess, der über die Sohle geöffnet wird, lässt die Lahmheit innerhalb von zwölf Stunden deutlich nachlassen, der Verband bleibt drei bis fünf Tage [2]. Bricht er am Kronrand durch, bleibt ein Defekt in der Hornwand, der erst herauswachsen muss [3].

Die Auswertung der 160 Fälle hat gemessen, was die Behandlung verlängert oder verkürzt. Die Zahlen sind Verhältnisse der Behandlungstage aus einer Regressionsrechnung an einer Teilmenge der Fälle [1]:

Befund bei der ersten UntersuchungWirkung auf die Behandlungsdauer
Diagnose im SommerRate der Behandlungstage 9,42-fach, deutlich länger
Abszess am Kronrand3,21-fach, länger
Bereits vorhandener Abflusskanal0,73-fach, kürzer
Lahmheitsgrad 3 von 50,30-fach, kürzer
Lahmheitsgrad 4 bis 50,10-fach, deutlich kürzer
Mehrere Teile des Hufes betroffenhöhere Wahrscheinlichkeit einer Komplikation

Zwei Befunde überraschen. Ein stark lahmes Pferd war schneller wieder gesund als ein leicht lahmes. Die Zusammenfassung nennt dafür keinen Grund; naheliegend ist, dass ein reifer, klar lokalisierter Abszess gefunden und geöffnet werden kann, ein schwelender nicht. Und der Sommer verlängerte die Behandlung stärker als jeder andere Faktor. Warum, lässt die Arbeit offen [1].

Der zweite Zeitmaßstab ist das Hornwachstum. Ein erwachsener Huf braucht 270 bis 365 Tage, bis die Hornkapsel vom Kronrand bis zum Tragrand einmal vollständig erneuert ist. Gemessen wurde das an 45 Vollblutfohlen in Newmarket, deren fetaler Huf in etwa der Hälfte dieser Zeit herausgewachsen war [3]. Ein Durchbruch am Kronrand wandert also ein knappes Jahr lang durch die Wand, bevor er am Tragrand ankommt.

PhaseWoran Sie sie erkennenWas der Huf jetzt braucht
Öffnen und Abfluss, Tag 1 bis 5Lahmheit lässt binnen Stunden nach, Verband mit UmschlagRuhe, trockener Verband, kein Hufschutz
Verschluss der Öffnung, Wochenkein Sekret mehr, Zangenprobe ohne ReaktionSchutz der Öffnung vor Schmutz, Sohle entlasten
Herauswachsen, Monate bei KronrandDefekt wandert von oben nach untenBalance halten, kurzes Intervall, Hornwand stabilisieren
Ein dunkelbraunes Pferd steht am weissen Koppelzaun vor gruener Huegellandschaft und blickt aufmerksam ueber den Zaun zur Kamera.

Wann darf der Hufschutz nach dem Abszess wieder an den Huf?

Sobald nichts mehr abfließt und das Pferd auf die Hufzange an der Stelle nicht mehr reagiert. So formuliert es das Merck Veterinary Manual für Abszesse, die über die Sohle geöffnet wurden [2]. Ein festes Datum gibt es nicht. Den Zeitpunkt legen Tierarzt und Hufschmied gemeinsam fest, am Pferd, nicht am Kalender.

Vier Dinge sollten vorher stimmen: Der Verband bleibt trocken, die Öffnung ist mit neuem Horn geschlossen oder zumindest trocken und sauber, die Zangenprobe an der Stelle bleibt ohne Reaktion, und das Pferd geht auf hartem Boden gleichmäßig.

Befund am HufHufschutz?
Sekret fließt noch, Verband wird nassnein, Verband wechseln und abwarten
Öffnung trocken, aber Zangenprobe positivnoch nicht
Öffnung trocken, Zange ohne Reaktion, Gang gleichmäßigja, Befestigung je nach Lage der Öffnung
Durchbruch am Kronrand, Hornwand darunter gelockertnur mit Behandlungsplan, meist geklebt

Ein Beschlag ohne geschlossene Sohlenplatte hat in dieser Phase einen praktischen Vorteil. Die Öffnung bleibt sichtbar und lässt sich täglich kontrollieren, ohne den Beschlag zu lösen. Beim DynamixIHT liegt die Sohle offen, nur die Traber-Variante hat eine geschlossene Auflagefläche. Für die Reha ist deshalb die offene Standardausführung die passende.

Muss der Hufschutz während der Behandlung noch einmal herunter, etwa weil ein zweiter Abszess aufgeht, lesen Sie in unserem Beitrag zum Abnehmen des Hufschutzes, was Sie selbst tun können und was nicht.

Zurück in den Hufschutz, ohne die Sohle zu verschließen

Der DynamixIHTprime trägt am Tragrand und an den Trachten und lässt die Sohle frei. Die Öffnung bleibt sichtbar, der Huf wird gedämpft aufgesetzt.

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Eine Person haelt den Huf eines Pferdes und setzt einen bernsteinfarbenen Hufschutz mit blauen Einlagen an, Aufnahme auf gepflastertem Hof.

Nageln oder kleben: Was schont den Huf in der Reha?

Kleben, wenn die Hornwand nahe der Öffnung geschwächt ist, nageln, wenn der Abszess tief in der Sohle saß und die Wand unversehrt blieb. Ein Hufnagel ist selbst eine mögliche Eintrittspforte für Keime [2]. In der Reha zählt deshalb, wo die Nägel sitzen würden, nicht nur, ob der Beschlag hält.

Die Klebeanleitung des Herstellers setzt für beide Varianten eine Fachperson voraus. Beim Kleben werden die seitlichen Kappen durch Klebelaschen ersetzt, die mit dem Hufschutz verschweißt und auf die aufgeraute, mit Aceton entfettete Hufwand geklebt werden. Nach dem Verkleben sämtlicher Laschen gilt der Beschlag als voll belastbar, die Klebung als unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Ammoniak [5].

Die Laschen müssen nicht rundum sitzen. Die Anleitung sieht ausdrücklich Beschläge vor, die nicht rundum geklebt werden, und nennt den Rehebeschlag als Beispiel [5]. Für die Reha nach einem Abszess heißt das: Dort, wo ein Riss oder ein Kronranddurchbruch die Wand schwächt, lässt sich eine Lasche weglassen oder kürzen.

KriteriumGenageltGeklebt
Eingriff in die HornwandNagelkanäle durch die weiße Liniekeiner, Laschen sitzen außen auf der Wand
Bei Riss oder KronranddefektNagel in der Nähe vermeidenLasche an der Stelle weglassen
Voraussetzungtragfähiger Tragrandtrockene, fettfreie, aufgeraute Hufwand [5]
HaltbarkeitReferenznach Herstellerangabe mit genagelt vergleichbar [5]
Abnehmenmit der ZangeLaschen lösen, Kleberreste entfernen

Geklebt heißt nicht automatisch mehr Hufmechanik. Bei 7 Vollblütern auf dem Laufband zeigten geklebte Aluminiumeisen im Schritt und Trab weniger Trachtenbewegung als genagelte [6]. Der Vorteil des Klebens in der Reha liegt in der unversehrten Hornwand, nicht in einem freieren Huf. Die Abwägung für den Alltag haben wir in Hufschutz nageln oder kleben ausführlicher beschrieben.

Klebelaschen für den Beschlag ohne Nagel

Die Laschen werden mit dem Hufschutz verschweißt und auf die vorbereitete Hufwand geklebt, dort, wo kein Nagel sitzen soll.

Zu den Klebelaschen
Anthrazitfarbener Hufschutz liegt auf einem hellen Holztisch, daneben mehrere schwarze Klebelaschen, am Bildrand liegt Werkzeug.

Wie halten Sie den Huf in der Reha trocken und tragfähig?

Mit trockenem Boden, kurzem Bearbeitungsintervall und täglicher Kontrolle der Öffnung. Nasses Horn weicht auf und öffnet die weiße Linie, schnelle Wechsel zwischen nass und trocken machen es brüchig [2]. Beides schafft neue Eintrittspforten, während die alte noch nicht geschlossen ist. Der Stall entscheidet hier mehr als jedes Pflegemittel.

Wie stark Feuchtigkeit das Horn verändert, haben Bertram und Gosline im Labor gemessen. Die Steifigkeit der Hufwand lag bei vollständig durchfeuchtetem Horn bei 410 Megapascal und bei trockenem bei 14,6 Gigapascal. Die Bruchzähigkeit war bei 75 Prozent relativer Feuchte am höchsten, doppelt so hoch wie bei ganz nassem oder ganz trockenem Horn [7]. Ein Huf, der dauernd im nassen Paddock steht, verliert also genau die Festigkeit, die er jetzt braucht.

Die niederländische Erhebung an 942 Pferden liefert die Risikofaktoren aus dem Stallalltag [4]:

MaßnahmeWas die Erhebung dazu fand
Boxenboden trocken haltennasser Boden erhöhte das Risiko für Strahlfäule um das 1,6- bis 2,9-fache [4]
Hufe täglich auskratzenwöchentlich statt täglich: Erkrankung der weißen Linie 2,1-fach häufiger [4]
Intervall von 4 bis 6 Wochen8 bis 10 Wochen: Sohlenquetschung 4,8-fach, erweiterte weiße Linie 1,8-fach häufiger [4]
Keine Nass-Trocken-WechselBruchzähigkeit bei 75 Prozent Feuchte doppelt so hoch wie nass oder trocken [7]
Hornqualität im Blick behaltenschlechte Hornqualität: Erkrankung der weißen Linie 8,1-fach häufiger [4]

Die Öffnung selbst sehen Sie sich jeden Tag an. Sekret, Geruch oder Wärme sind Gründe, die Behandler zu informieren, nicht abzuwarten. Die Klebeanleitung setzt Sauberkeit und unterbundene Fäulnisbildung ausdrücklich voraus [5]. Wie die tägliche Kontrolle mit Hufschutz aussieht, steht in unserem Beitrag zu Pflege, Reinigung und Kontrolle.

Zwei unbeschlagene Vorderhufe mit dichtem Koetenbehang stehen auf gefrorenem, raureifbedecktem Boden zwischen einzelnen Grashalmen.

Wann ist es mehr als ein einfacher Abszess?

Wenn die Lahmheit nach dem Öffnen nicht nachlässt, der Abszess an derselben Stelle wiederkommt oder der Durchbruch am Kronrand liegt. Dann rät das Merck Veterinary Manual zum Röntgenbild, um ein Keratom, einen Sequester oder eine Beteiligung des Hufbeins auszuschließen [2]. Ein Abszess, der wiederkehrt, ist ein Befund, keine Pechsträhne.

BeobachtungWas dahinterstecken kannWas die Literatur dazu sagt
Lahmheit bleibt trotz AbflussBeteiligung des Hufbeins, tiefe Infektion9 Pferde mit septischer Hufbeinentzündung: 7 waren nach der Operation binnen 12 Wochen wieder lahmfrei [8]
Abszess kommt an derselben Stelle wiederKeratom, Sequester26 Pferde mit Keratom: Sohlenabszess war ein häufiges Zeichen [9]; 30 Pferde: im Mittel 90 Tage lahm vor der Operation [10]
Stich in Strahl oder mittlere StrahlfurcheGelenk, Sehnenscheide oder Schleimbeutel betroffen95 Pferde: 56 Prozent bis zur Entlassung überlebt, 36 Prozent wieder auf früherem Niveau [11]
Abszesse an mehreren Hufen, immer wiederHufrehe, Stoffwechsel42 von 93 Hufrehefällen vom Besitzer nicht erkannt, Abszessverdacht war ein häufiger Grund für den Tierarztbesuch [12]

Das Keratom ist der klassische Grund für einen Abszess, der nicht verschwindet. An der Universität Liverpool kehrten 25 von 26 operierten Pferden auf ihr früheres Leistungsniveau zurück [9]. In einer britischen Klinik waren 30 Pferde vor der Entfernung im Mittel 90 Tage lahm, 26 von 28 nachverfolgten Tieren erreichten ihr altes Niveau wieder [10]. Beide Gruppen sind klein, aber die Richtung ist eindeutig: Wer früh röntgt, verkürzt die Lahmheit um Monate.

Wiederkehrende Abszesse an mehreren Hufen sind ein eigenes Signal. Von 93 tierärztlich bestätigten Hufrehefällen in Großbritannien hatten die Besitzer 42 nicht als Hufrehe erkannt, sie hatten den Tierarzt unter anderem wegen Hufabszessen gerufen [12]. Das Merck Veterinary Manual nennt Hufrehe und dünne Sohlen ausdrücklich als Faktoren, die Abszesse wiederkehren lassen [2]. Was Hufschutz bei solchen Grunderkrankungen leisten kann und was nicht, steht in unserem Beitrag zum therapeutischen Hufschutz.

Diagnose und Behandlung bleiben Sache von Tierarzt und Hufschmied. Ein Hufschutz kann den genesenden Huf entlasten und vor neuen Eintrittspforten schützen. Er öffnet keinen Abszess, er ersetzt kein Röntgenbild, und er beseitigt keine Ursache, die tiefer sitzt als das Horn.

Ein weisser Schimmel mit langer heller Maehne steht auf einer Weide und blickt zur Seite, im Hintergrund verschwommenes Gruen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis ein Hufabszess ausgeheilt ist?

Nach dem Öffnen über die Sohle sollte die Lahmheit laut Merck Veterinary Manual innerhalb von zwölf Stunden deutlich nachlassen, der Verband bleibt drei bis fünf Tage [2]. In einer Auswertung von 160 Fällen dauerte die Behandlung bei Abszessen am Kronrand rund dreimal, bei im Sommer diagnostizierten gut neunmal so lange [1]. Ein Defekt am Kronrand braucht 270 bis 365 Tage, bis er herausgewachsen ist [3].

Wann darf nach einem Hufabszess wieder beschlagen werden?

Sobald kein Sekret mehr abfließt und das Pferd auf die Hufzange an der Stelle nicht mehr reagiert, kann der Beschlag nach dem Merck Veterinary Manual zurück an den Huf [2]. Ein festes Datum gibt es nicht. Tierarzt und Hufschmied entscheiden gemeinsam am Pferd, und bei einem Durchbruch am Kronrand gehört ein Behandlungsplan dazu, der die gelockerte Hornwand berücksichtigt.

Nageln oder kleben nach einem Hufabszess?

Kleben, wenn die Hornwand in der Nähe der Öffnung geschwächt ist, denn ein Hufnagel ist selbst eine mögliche Eintrittspforte für Keime [2]. Die Klebelaschen des DynamixIHT müssen laut Herstelleranleitung nicht rundum sitzen und lassen sich an einer geschwächten Stelle weglassen [5]. Nageln bleibt möglich, wenn der Abszess tief in der Sohle saß und der Tragrand unversehrt ist. Beides gehört in die Hand einer Fachperson.

Warum kommt der Hufabszess immer wieder?

Wiederkehr an derselben Stelle spricht für eine Ursache unter dem Horn, etwa ein Keratom oder einen Sequester, und gehört geröntgt [2]. Bei 26 Pferden mit Keratom war der Sohlenabszess ein häufiges Zeichen [9]. Abszesse an mehreren Hufen können auf Hufrehe hinweisen: 42 von 93 bestätigten Hufrehefällen hatten die Besitzer nicht erkannt und den Tierarzt unter anderem wegen Abszessen gerufen [12]. Nässe, lange Intervalle und schlechte Hornqualität erhöhen das Risiko [4].

Kann ein Hufschutz einem Hufabszess vorbeugen?

Nicht direkt. Die Eintrittspforte liegt im Horn, und dort entscheiden Trockenheit, Bearbeitungsintervall und Hornqualität [4]. Ein Hufschutz kann die Sohle vor Steinen und Quetschungen schützen und die Hornwand ohne Nagelkanäle lassen, wenn er geklebt wird [5]. Er ersetzt weder die tägliche Kontrolle noch das kurze Intervall, und er verhindert keinen Abszess, dessen Ursache eine Grunderkrankung wie Hufrehe ist [2].

Quellen

Quellen

  1. Cole et al., Veterinary Record 2019 – 160 Fälle von Sohlenabszess aus der Feldpraxis des New Bolton Center, Universität von Pennsylvania.
  2. Merck Veterinary Manual, Hoof Abscesses in Horses – tiermedizinisches Nachschlagewerk, Abschnitt zu Ursachen, Drainage, Verband und Beschlag; abgerufen am 26. Oktober 2026.
  3. Curtis, Martin und Hobbs, The Veterinary Journal 2014 – Erneuerung der Hornkapsel bei 45 Vollblutfohlen in Newmarket; für erwachsene Pferde werden 270 bis 365 Tage angegeben.
  4. Holzhauer et al., Preventive Veterinary Medicine 2017 – Hufbefunde und Risikofaktoren bei 942 zufällig ausgewählten Pferden in den Niederlanden, beurteilt von 21 Hufschmieden.
  5. Klebeanleitung DynamixIHTGlueOn, DynamixIHT – Herstellerunterlage zu Hufvorbereitung, Klebelaschen und Belastbarkeit, Herstellerangabe.
  6. Yoshihara et al., Equine Veterinary Journal 2010 – Trachtenbewegung geklebt gegen genagelt, 7 Vollblüter auf dem Laufband.
  7. Bertram und Gosline, Journal of Experimental Biology 1987 – Steifigkeit und Bruchzähigkeit von Hufhorn bei vier Feuchtigkeitsstufen, Laborversuch an Hufwandproben.
  8. Gaughan et al., Journal of the American Veterinary Medical Association 1989 – chirurgische Behandlung septischer Hufbeinentzündung, 9 Pferde, Cornell University.
  9. Boys Smith et al., Equine Veterinary Journal 2006 – Keratomentfernung bei 26 Pferden, Universität Liverpool.
  10. Ross et al., Veterinary Surgery 2025 – Entfernung von Hufwandmassen bei 30 stehend sedierten Pferden, britische Pferdeklinik.
  11. Findley et al., Equine Veterinary Journal 2014 – Stichverletzungen der Sohle mit Beteiligung einer Synovialstruktur, 95 Pferde, vier britische Kliniken.
  12. Pollard et al., Equine Veterinary Journal 2017 – Erkennung von Hufrehe durch Besitzer, 93 tierärztlich bestätigte Fälle aus 25 britischen Praxen.