Abends in der Stallgasse, das Pferd ist geputzt, der Hufkratzer liegt schon in der Hand. Vier Hufe, jeweils ein paar Sekunden, dann ab in die Box. Meistens ist da nichts. Genau deshalb schaut man irgendwann nicht mehr richtig hin.
Mit einem Hufschutz am Huf ändert sich an dieser Routine wenig. Es kommen nur ein paar Dinge dazu, die man kennen sollte: der Sitz am Tragrand, die Klebelaschen, die Gewinde, das Horn am Übergang.
Die tägliche Pflege dauert keine zwei Minuten. Ihr eigentlicher Wert liegt nicht im Sauberwischen, sondern darin, dass Sie jeden Tag denselben Huf mit demselben Blick ansehen – und eine Veränderung bemerken, bevor sie zum Problem wird.
Wichtige Erkenntnisse
- Besitzer übersehen mehr, als sie denken. Von 222 Reitpferden, die ihre Besitzer für lahmfrei hielten, zeigten 72,5 Prozent messbare Bewegungsasymmetrien im Trab [2].
- Auch Hufrehe wird oft nicht erkannt. Bei 93 in der Praxis bestätigten Fällen hatten die Besitzer in 45,2 Prozent keine Hufrehe vermutet [1].
- Wärme am Huf ist ein Zeichen, das Besitzer bemerken. In derselben Untersuchung meldeten Besitzer eine erhöhte Huftemperatur häufiger als die Praxen in ihren Befundbögen [1].
- Der gesunde Huf ist an allen vier Beinen gleich warm. Bei 60 lahmfreien Warmblütern unterschied sich die Temperatur des Hufabdrucks zwischen den Gliedmaßen nicht [3].
- Weder nass noch knochentrocken. Hufhorn ist bei mittlerer Feuchtigkeit am bruchfestesten, rund doppelt so zäh wie ganz nass oder ganz trocken [4].
- Strahlfäule braucht Schmutz und Luftabschluss. Der nachgewiesene Erreger kommt ohne Sauerstoff aus [5], tägliches Ausräumen der Strahlfurchen entzieht ihm die Grundlage.
Der Zwei-Komponenten-Hufschutz Tragender Kern, dämpfende Polster an Tragrand und Trachten, Zubehör einzeln austauschbar.
Zum DynamixIHTprimeWarum gehört der Hufschutz in die tägliche Kontrolle?
Weil sich Veränderungen am Huf schleichend einstellen und das eigene Auge sich daran gewöhnt. Wer sein Pferd jeden Tag sieht, bemerkt eine leichte Lahmheit oder einen veränderten Sitz des Hufschutzes erstaunlich spät. Ein fester Ablauf beim Auskratzen gleicht das aus: gleiche Reihenfolge, gleiche Punkte, jeden Tag.
Wie groß die Lücke zwischen Wahrnehmung und Befund ist, zeigt eine schwedisch-britische Messung an 222 Warmblut-Reitpferden. Alle galten bei ihren Besitzern als lahmfrei. Bei 161 von ihnen, also 72,5 Prozent, lagen die Bewegungsasymmetrien im Trab über den üblichen Schwellenwerten [2]. Ob hinter jeder Asymmetrie Schmerz steckt, lässt die Arbeit ausdrücklich offen.
Bei Hufrehe sieht es ähnlich aus. In einer britischen Erhebung mit 93 tierärztlich bestätigten Fällen hatten die Besitzer in 42 Fällen keine Hufrehe vermutet, sondern den Tierarzt etwa wegen unklarer Lahmheit, Hufabszess, Kolik oder Steifheit gerufen [1].
| Was Besitzer leicht übersehen | Befund in der Untersuchung |
|---|---|
| Bewegungsasymmetrie im Trab | 161 von 222 als lahmfrei eingeschätzten Pferden [2] |
| Hufrehe | 42 von 93 bestätigten Fällen vom Besitzer nicht erkannt [1] |
Die Konsequenz ist nicht Misstrauen gegenüber dem eigenen Blick, sondern Routine. Wer jeden Tag dieselben Punkte prüft, vergleicht mit gestern – und nicht mit einem Gefühl.

Wie reinigen Sie den Huf mit Hufschutz richtig?
Genauso wie ohne Hufschutz, nur mit etwas mehr Aufmerksamkeit für die Übergänge. Der Hufkratzer arbeitet von den Trachten zur Zehe, die Strahlfurchen werden gezielt ausgeräumt, danach bleibt der Blick an den Stellen hängen, an denen Hufschutz und Horn aneinanderstoßen. Einmal täglich genügt, nach Arbeit auf matschigem Boden zusätzlich.
So gehen Sie Huf für Huf vor:
- Huf aufheben, grob auskratzen. Von hinten nach vorn, damit der Kratzer nicht Richtung Strahl abrutscht.
- Strahlfurchen gezielt ausräumen. Die mittlere und die beiden seitlichen Furchen, bis der Grund zu sehen ist.
- Übergang zum Tragrand freilegen. Steinchen und Erde zwischen Hufschutz und Horn vorsichtig entfernen.
- Gewinde ansehen. Sitzen Stollen fest, oder ist ein Gewinde mit Schmutz zugesetzt?
- Riechen. Ein fauliger Geruch aus den Strahlfurchen ist früher da als der schwarze Belag.
Der Grund für den zweiten Schritt ist mikrobiologisch. In einer Untersuchung an acht Pferden mit Strahlfäule und acht gesunden Pferden war Fusobacterium necrophorum mit der Erkrankung verbunden, ein Bakterium, das ohne Sauerstoff auskommt [5]. Was täglich ausgeräumt wird und an die Luft kommt, bietet ihm keinen Lebensraum.
Wie Haltung und Hufform das Risiko zusätzlich beeinflussen, steht in unserem Beitrag Strahlfäule vorbeugen.

Worauf achten Sie bei der täglichen Kontrolle?
Auf fünf Dinge: Sitz, Befestigung, Zubehör, Horn und Temperatur. Jeder Punkt braucht nur einen Blick oder einen Handgriff. Entscheidend ist nicht, jeden Tag etwas zu finden, sondern zu wissen, wie der Huf aussieht, wenn alles in Ordnung ist. Dann fällt die Abweichung sofort auf, auch wenn sie klein ist.
| Prüfpunkt | Unauffällig | Auffällig |
|---|---|---|
| Sitz | Hufschutz schließt am Tragrand bündig ab | Spalt an der Zehe, Überstand an den Trachten |
| Klebelaschen | liegen satt an der Hufwand an | Kante steht ab, Schmutz dringt ein |
| Stollen und Gewinde | fest eingedreht, Gewinde sauber | locker, verloren, Gewinde zugesetzt |
| Horn am Übergang | glatt, ohne Ausbrüche | bröselig, eingerissen, Nagellöcher ausgefranst |
| Temperatur | alle vier Hufe gleich warm | ein Huf deutlich wärmer als die anderen |
Der Temperaturvergleich ist der unterschätzteste Punkt. Eine rumänische Wärmebildstudie an 60 lahmfreien Warmblütern fand an allen vier Gliedmaßen dieselbe Temperatur des Hufabdrucks, ohne Unterschied zwischen Freizeit- und Vielseitigkeitspferden [3]. Beim gesunden Pferd gibt es also keinen Grund, warum ein Huf wärmer sein sollte als die anderen. Legen Sie die Hand an alle vier Hufwände, immer an dieselbe Stelle und vor der Arbeit.
In der britischen Hufrehe-Erhebung war eine erhöhte Huftemperatur genau das Zeichen, das Besitzer häufiger meldeten als die Praxen in ihren Befundbögen [1]. Der Handgriff ist also etwas, das Sie tatsächlich wahrnehmen können.
Klebelaschen für den nächsten Termin
Die Laschen sind Verbrauchsmaterial und werden beim Beschlagen neu gesetzt. Einzeln nachbestellbar, jeweils für die linke und die rechte Seite.
Zu den Klebelaschen
Wie viel Feuchtigkeit verträgt der Huf?
Mittlere Feuchtigkeit ist ideal, beide Extreme schwächen das Horn. Hufhorn verändert seine Eigenschaften mit dem Wassergehalt stärker als andere harte Hornsubstanzen. Dauernd nasses Horn wird weich, völlig ausgetrocknetes Horn wird steif und spröde. Die Pflege zielt deshalb nicht auf Einfetten, sondern auf einen Huf, der zwischendurch abtrocknen kann.
Gemessen wurde das in einem Laborversuch an Proben der Hufwand bei vier Feuchtigkeitsstufen. Die Steifigkeit stieg vom vollständig befeuchteten bis zum völlig trockenen Horn um mehr als das Dreißigfache. Am bruchfestesten war das Horn bei mittlerer Feuchtigkeit, rund doppelt so zäh wie ganz nass oder ganz trocken [4]. Diese mittlere Stufe liegt laut den Autoren in dem Bereich, der auch am lebenden Huf gefunden wird.
| Zustand des Horns | Was passiert | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| dauerhaft nass (Matsch, nasse Einstreu) | Horn wird weich und verformbar | trockenen Liegeplatz schaffen, Auslauf befestigen |
| mittlere Feuchtigkeit | höchste Bruchfestigkeit | nichts ändern |
| stark ausgetrocknet (Hitze, trockener Boden) | Horn wird steif und spröde | Ausbrüche am Tragrand beobachten, beim Termin ansprechen |
Für den Hufschutz selbst gibt der Hersteller an, die Klebung sei unempfindlich gegen Ammoniak aus Pferdeurin und Feuchtigkeit beeinträchtige Haftung und Aushärtung des Klebers nicht [8]. Das betrifft die Verbindung, nicht das Horn darunter. Ein Huf, der tagelang in nasser Einstreu steht, leidet mit und ohne Hufschutz.

Was tun, wenn sich eine Lasche löst oder ein Teil fehlt?
Nicht abwarten, aber auch nicht selbst nachkleben. Eine abstehende Lasche lässt Schmutz zwischen Hufschutz und Hufwand, ein fehlender Stollen verändert den Halt. Beides ist in der Regel kein Notfall, gehört aber zeitnah in fachkundige Hände. Bis dahin reduzieren Sie die Arbeit auf weichem Boden.
Die Klebeanleitung des Herstellers beschreibt das Nachkleben einer gelösten Lasche ausdrücklich als lösbare Aufgabe: Klebereste von Lasche und Horn sorgfältig entfernen, dann neu verkleben [8]. Sie setzt aber zugleich voraus, dass Nageln und Kleben von einer Person mit entsprechenden Fachkenntnissen ausgeführt werden [8]. Für Sie als Besitzer heißt das: bemerken, dokumentieren, Bescheid geben.
| Was Sie bemerken | Was Sie tun |
|---|---|
| Lasche steht an der Kante leicht ab | Foto machen, beim nächsten Kontakt ansprechen, täglich beobachten |
| Lasche hat sich großflächig gelöst | Arbeit reduzieren, zeitnah Termin vereinbaren |
| Stollen verloren | Gewinde reinigen, Ersatz eindrehen lassen |
| Hufschutz sitzt schief oder wackelt | nicht mehr reiten, Termin am selben oder nächsten Tag |
Wie sich genagelte und geklebte Befestigung im Alltag unterscheiden, lesen Sie in Hufschutz nageln oder kleben.
So wird eine Lasche neu verklebt
Die Anleitungen zeigen Schritt für Schritt, wie der DynamixIHT genagelt oder mit Klebelaschen befestigt wird – als Grundlage für das Gespräch mit Ihrer Fachperson.
Zu den Anleitungen
Wann ist es kein Pflegethema mehr?
Sobald das Pferd anders geht, ein Huf warm wird oder die Pulsation an der Fessel deutlich spürbar ist. Dann geht es nicht mehr um Sitz oder Sauberkeit, sondern um eine mögliche Erkrankung im Huf. Die häufigsten Kandidaten sind Hufabszess und Hufrehe. Beide gehören zum Tierarzt, nicht in die Pflegeroutine.
Der Hufabszess zählt laut einer Auswertung von 160 Fällen der Universität von Pennsylvania zu den häufigsten Ursachen einer plötzlichen, hochgradigen Lahmheit. Abszesse im Sommer und solche, die am Kronrand durchbrachen, mussten dort länger behandelt werden [6].
Warnzeichen, die nicht bis zum nächsten Beschlagstermin warten:
- plötzliche Lahmheit, besonders wenn das Pferd den Huf kaum belastet
- ein warmer Huf im Vergleich zu den anderen drei
- deutlich fühlbare Pulsation an der Fessel
- Gewichtsverlagerung oder Schwierigkeiten beim Wenden
- Schwellung oder Flüssigkeit am Kronrand
Ebenso gehört das reguläre Intervall zur Pflege. Bei 26 Arbeitspferden verschob sich die Belastung des Hufes schon innerhalb von vier bis sechs Wochen nach hinten, die Autoren empfehlen, dieses Intervall nicht zu überschreiten [7]. Wie Sie den Wechselzeitpunkt erkennen, steht in unserem Beitrag zur Lebensdauer des Hufschutzes.
Bei jedem dieser Warnzeichen rufen Sie den Tierarzt und informieren den Hufschmied. Diagnose und Behandlung sind ihre Sache, ein Hufschutz heilt weder Abszess noch Hufrehe. Ob der Hufschutz für die Behandlung abgenommen werden muss, entscheiden beide gemeinsam.

FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte ich den Huf mit Hufschutz auskratzen?
Einmal täglich, nach Arbeit auf matschigem oder steinigem Boden zusätzlich. Dabei die Strahlfurchen gezielt ausräumen, denn der mit Strahlfäule verbundene Erreger kommt ohne Sauerstoff aus [5]. Nutzen Sie den Moment, um Sitz, Klebelaschen, Gewinde und Temperatur zu prüfen. Die gesamte Routine dauert für alle vier Hufe keine zwei Minuten.
Muss ich den Huf unter dem Hufschutz fetten oder einölen?
Nach dem, was über Hufhorn bekannt ist, zielt Pflege auf mittlere Feuchtigkeit. Hufhorn war in einer Laborstudie bei mittlerer Feuchtigkeit rund doppelt so bruchfest wie ganz nass oder ganz trocken [4]. Wichtiger als jedes Mittel ist daher, dass der Huf nicht dauerhaft im Nassen steht und zwischendurch abtrocknen kann. Bei auffällig trockenem, bröseligem Horn fragen Sie Ihren Hufschmied.
Woran erkenne ich, dass sich eine Klebelasche löst?
An einer Kante, die von der Hufwand absteht, an Schmutz, der zwischen Lasche und Horn eingedrungen ist, oder an einer Lasche, die sich mit dem Fingernagel anheben lässt. Nach der Klebeanleitung des Herstellers lässt sich eine gelöste Lasche nach dem Entfernen der Klebereste neu verkleben [8]. Das übernimmt Ihre Fachperson, nicht Sie selbst.
Ist ein warmer Huf immer ein Alarmzeichen?
Nicht nach der Arbeit oder in der Sonne, wohl aber im Vergleich zu den anderen drei Hufen in Ruhe. Bei 60 gesunden Warmblütern war die Temperatur des Hufabdrucks an allen Gliedmaßen gleich [3]. Ein einzelner deutlich wärmerer Huf, zusammen mit kräftiger Pulsation oder Lahmheit, ist ein Grund, den Tierarzt zu rufen.
Welche Anzeichen übersehen Pferdebesitzer am häufigsten?
Leichte Lahmheiten und frühe Hufrehe. Von 222 als lahmfrei eingeschätzten Reitpferden zeigten 72,5 Prozent messbare Asymmetrien im Trab [2], und bei 45,2 Prozent von 93 bestätigten Hufrehefällen hatten die Besitzer keine Hufrehe vermutet [1]. Eine feste tägliche Routine mit denselben Prüfpunkten hilft, Veränderungen gegenüber dem Vortag zu bemerken.
Quellen
Quellen
- Pollard et al., Equine Veterinary Journal 2017 – Erkennen von Hufrehe durch Besitzer, 93 tierärztlich bestätigte Fälle aus 25 britischen Praxen.
- Rhodin et al., PLOS ONE 2017 – Bewegungsasymmetrien im Trab bei 222 Warmblut-Reitpferden, die ihre Besitzer für lahmfrei hielten.
- Zaha et al., Veterinary Sciences 2023 – Wärmebild des Hufabdrucks, 60 lahmfreie Warmblüter, 240 Hufe, Pilotstudie.
- Bertram und Gosline, Journal of Experimental Biology 1987 – Steifigkeit und Bruchfestigkeit von Hufwandproben bei vier Feuchtigkeitsstufen, Laborversuch.
- Petrov und Dicks, Veterinary Microbiology 2013 – Erregernachweis bei Strahlfäule, 8 erkrankte und 8 gesunde Pferde.
- Cole et al., Veterinary Record 2019 – Auswertung von 160 Hufabszessen, Universität von Pennsylvania.
- Leśniak et al., Animals 2017 – Hufform vor und nach der Bearbeitung im 4–6-Wochen-Intervall, 26 Arbeitspferde.
- Klebeanleitung DynamixIHTGlueOn, DynamixIHT – Herstellerunterlage zum Verkleben und Nachkleben der Klebelaschen, Herstellerangabe.