Winterbeschlag beim Pferd: Grip auf Schnee und Eis

Der Feldweg ist gefroren, es hat über Nacht nassen Schnee gegeben, und nach zweihundert Metern geht das Pferd, als liefe es auf Stelzen. Unter jedem Huf sitzt ein Klumpen gepressten Schnees, hart wie Stein.

Zweihundert Meter weiter beginnt der gepflasterte Hofweg. Überfroren, spiegelglatt. Das ist das zweite Winterproblem, und es hat mit dem ersten fast nichts zu tun.

Aufstollen und Rutschen sind zwei getrennte Probleme mit zwei getrennten Lösungen. Wer beide mit derselben Maßnahme angeht, löst meist keines von beiden.

Wichtige Erkenntnisse

  • Aufstollen entsteht an der Form, nicht am Material. Schnee taut an der wärmeren Sohle an und friert an der kälteren Auflagefläche wieder fest – der Ballen wächst mit jedem Schritt.
  • Mehr Grip bedeutet mehr Last. Griffelemente verkürzen den Rutschweg beim Auffußen. Genau dieser Rutschweg baut Energie ab, die sonst in der Gliedmaße landet.
  • Zu Winterbeschlägen im engeren Sinn gibt es kaum Forschung. Eine Suche in der Literaturdatenbank PubMed am 4. September 2026 liefert zu Schnee, Eis und Hufgriffigkeit keine kontrollierte Studie.
  • Stollen wirken messbar: Bei neun Pferden im Galopp auf Gras verkürzte ein seitlicher Trachtenstollen den Rutschweg an allen vier Gliedmaßen signifikant.
  • Kunststoff greift auf hartem Beton schlechter als Stahl. Das ist an acht Pferden gemessen worden und spricht im Winter für zusätzliche Griffelemente.
  • Die Feuchtigkeit der Hufwand hängt kaum vom Wetter ab. Trockene Winterluft ist selten die Ursache für schlechtes Horn.

Griffelemente für die kalte Jahreszeit Der Huf-Grip passt an alle fünf Größen, wird auf Länge geschnitten und mit dem Heißluftföhn eingeschweißt.

Zum Huf-Grip

Warum stollt der Huf im Winter auf?

Weil nasser Schnee an der wärmeren Sohle antaut und an der kälteren Auflagefläche wieder festfriert. Bei jedem Tritt presst sich neues Material nach, und der Ballen wächst. Am Ende steht das Pferd auf einer harten Kugel statt auf einer Fläche, mit entsprechendem Verlust an Standfläche und Trittsicherheit.

Begünstigt wird das von drei Dingen: dichtem, nassem Schnee um den Gefrierpunkt, einer glatten Fläche unter der Sohle, an der der Ballen Halt findet, und einer Hufhöhlung, die den Schnee einschließt.

BedingungNeigung zum AufstollenGrund
Nassschnee um null GradhochSchnee taut an und friert sofort wieder fest
Pulverschnee bei strengem Frostgeringzu trocken, um zu verbacken
Matsch, danach über Nacht Frostmittelerstarrte Klumpen bleiben in der Höhlung
Gefrorener, schneefreier Bodenkeinekein Material, das sich aufbauen kann

Die Folgen sind mechanisch, nicht entzündlich: Stolpern, Umknicken auf der Kugel, Zerrungen an Sehnen und Bändern. Bleibt der Ballen über Tage, kommen Sohlenprellungen dazu.

Was hilft, ist Geometrie. Eine gewölbte Fläche gibt dem Ballen keinen Halt, ein offener Bügel bricht ihn beim Auffußen wieder auf. Beides sind Bauformen, keine Materialfragen.

Zwei dunkle Pferde stehen dicht beieinander auf einem verschneiten Paddock, dahinter Holzzaun, kahle Baeume und die Gebaeude eines Reiterhofs.

Wie groß ist die Rutschgefahr auf gefrorenem Boden wirklich?

Sie lässt sich derzeit nicht seriös beziffern. Zu Schnee, Eis und Hufgriffigkeit findet sich in der Literaturdatenbank PubMed keine kontrollierte Arbeit. Was vorliegt, sind Messungen auf Beton, Gras und Rennbahnen. Daraus lässt sich der Winter nur mit Vorsicht ableiten, und niemand sollte dabei so tun, als wäre er gemessen worden.

Aus diesen Messungen lässt sich immerhin eines mitnehmen: Ein wenig Rutschen ist kein Fehler, sondern Teil des Auffußens. Es baut Energie ab, die sonst als Stoß in die Gliedmaße geht.

Horan und Kollegen 2024 haben das an 13 galoppierenden ehemaligen Rennpferden über 389 einzelne Hufaufsätze quantifiziert. Die mittlere Rutschdauer lag je nach Gliedmaße zwischen 18 und 22 Millisekunden – ein kurzer, aber offenbar notwendiger Vorgang.

Auf Eis kippt dieses Verhältnis. Der Huf rutscht dann nicht mehr Millisekunden, sondern so lange, dass das Pferd die Gliedmaße nicht mehr unter den Schwerpunkt bekommt. Zwischen „etwas Rutschen“ und „wegrutschen“ liegt kein Übergang, den man gemütlich austesten sollte.

Praktisch heißt das: Auf überfrorenen Hofwegen und blankem Eis hilft kein Beschlag zuverlässig. Planen Sie an solchen Tagen um. Umwege über Schnee, Streugut auf den Wegen und ein reduziertes Arbeitspensum sind die belastbareren Maßnahmen.

Nahaufnahme eines unbeschlagenen Pferdehufs mit kraeftigem Koetenbehang, der auf grobem Kies steht, daneben wachsen gruene Pflanzen.

Was bringen Stollen, und was kosten sie?

Stollen greifen nachweislich – und sie greifen auf Kosten der Gliedmaße. Neun Pferde im Galopp auf Gras rutschten mit einem seitlichen Trachtenstollen an allen vier Beinen signifikant kürzer. Die Autoren halten im selben Absatz fest, dass die eingesparte Rutschstrecke anderswo abgebaut werden muss.

Die Arbeit stammt von Harvey, Williams und Singer 2012. Der Effekt war in den nachlaufenden Gliedmaßen am größten, und die Autoren fordern ausdrücklich, die Folgen wiederholten Stolleneinsatzes für den Bewegungsapparat weiter zu untersuchen.

Wie diese Folgen aussehen könnten, deutet eine Fall-Kontroll-Studie aus dem Rennsport an. Kane und Kollegen 1996 untersuchten 201 Vollblüter, die auf kalifornischen Rennbahnen verendeten oder eingeschläfert wurden: Bei Pferden mit regulären Zehenkappen an den Vorderhufen lag die Chance eines Versagens des Fesseltrageapparats um ein Vielfaches höher als ohne.

Dagegen steht eine spätere Arbeit, die genau das nicht bestätigt. Hernandez und Kollegen 2005 fanden an 377 Rennpferden nur eine 1,5-fach erhöhte, statistisch nicht abgesicherte Chance und nannten ihr eigenes Ergebnis dazu ausdrücklich unschlüssig.

Zehenkappen sind keine Winterstollen, und eine Rennbahn ist kein Feldweg. Der übertragbare Punkt ist ein anderer: Griffelemente verändern die Mechanik des Auffußens, und diese Veränderung ist nicht folgenlos. Deshalb gilt in der Praxis:

  • Drehen Sie nur ein, wenn der Boden es verlangt, und nach dem Ritt wieder heraus.
  • Nicht auf harten, geräumten Straßen – dort steht der Huf auf vier Punkten.
  • Bestücken Sie beide Seiten gleich. Ein einseitiger Stollen verdreht den Huf beim Auffußen.
  • Halten Sie die Gewinde sauber, sonst geht das Eindrehen im Frost schief.

Beim DynamixIHT werden die Stollen in die eingelegten Messinggewinde gedreht. Verfügbar sind vier Größen von 5,5 bis 14 Millimeter, wobei die höheren Varianten in weichen Boden gehören und nicht auf gefrorene Flächen.

Stollen in vier Höhen

5,5, 8, 11 und 14 Millimeter, eingedreht in die Messinggewinde des Hufschutzes – und nach der Arbeit wieder heraus.

Zu den Stollen
Vier schwarze Stollen und Mikrospikes unterschiedlicher Form stehen aufgereiht auf einer Metallschiene, freigestellt vor weissem Grund.

Wann sind Mikrospikes die bessere Wahl?

Wenn der Boden hart und glatt ist, nicht tief. Mikrospikes bauen flacher als Stollen und greifen punktuell in gefrorene Oberflächen, ohne den Huf weit aufzustellen. Auf tiefem Schnee oder weichem Boden bringen sie wenig, weil sie dort nichts finden, worin sie sich verhaken könnten.

Damit ergibt sich eine einfache Aufteilung nach Untergrund und Zweck:

ElementWirkt gegenPassender UntergrundEingriff in die Mechanik
Huf-GripAufstollenNassschnee, Matsch mit Frostgering, gibt keinen zusätzlichen Halt im Boden
MikrospikeRutschenharte, glatte, gefrorene Flächenpunktuell, geringe Aufstellhöhe
Stollen 5,5 bis 8 mmRutschenfester Schnee, gefrorene Wiesemittel
Stollen 11 bis 14 mmRutschentiefer, weicher Bodenhoch, der Huf steht deutlich auf

Die letzte Spalte ist eine Einschätzung aus der Mechanik, keine Messung. Zu keiner dieser Kombinationen liegen veröffentlichte Griffigkeitswerte auf Schnee oder Eis vor. Wer Prozentzahlen dazu nennt, hat sie nicht erhoben. Richten Sie sich deshalb nach dem Untergrund vor Ort.

Der Huf-Grip selbst ist kein Griffelement im engeren Sinn, sondern ein Bügel gegen das Verbacken von Schnee. Er passt nach Herstellerangabe an alle fünf Größen, wird auf Länge geschnitten und mit einem Heißluftföhn eingeschweißt.

Mikrospikes für harte, glatte Flächen

Flach bauend, punktuell greifend und in dieselben Gewinde eingedreht wie die Stollen.

Zu den Mikrospikes
Werkzeug, Schrauben, Stollen und ein bernsteinfarbener Hufschutz mit anthrazitfarbenen Einlagen liegen auf einer hellen Holzwerkbank.

Welches Material greift auf hartem Boden besser?

Auf Beton greift Stahl besser als Kunststoff. An acht Pferden im Trab über eine betongedeckte Kraftmessplatte lag das Verhältnis von Brems- zu Vertikalkraft bei Kunststoffeisen bei 0,34, bei Stahleisen bei 0,46. Rutschzeit und Rutschweg unterschieden sich zwischen den drei geprüften Materialien dagegen nicht.

Die Werte stammen von Pardoe und Kollegen 2001: acht Pferde, jeweils Stahl, Kunststoff und Gummi, betongedeckte Kraftmessplatte. Kein Eis, kein Schnee, kein Winter. Was die Arbeit trotzdem erklärt, ist der Grund, warum ein Kunststoffschuh auf glatten harten Flächen Griffelemente braucht und nicht ohne auskommt.

Auf der anderen Seite der Rechnung steht das, was Kunststoff für die Gliedmaße tut. Eine Wiener Arbeitsgruppe verglich an vier Pferden im Trab auf Asphalt Stahleisen mit Stollen gegen Stahleisen mit Polyurethanauflage (Moore, Zsoldos und Licka 2019):

MessgrößeStahl mit StollenStahl mit Polyurethanauflage
Abbremsung in der Stützphase (Median)−2,77 g−2,46 g
Tempo und Trittlängeniedriger, kürzerhöher, länger

Vier Pferde sind ein Hinweis, kein Beweis, und den Unterschied in der Abbremsung geben die Autoren selbst mit p = 0,06 an. Die Richtung passt allerdings zu dem, was zur Stoßdämpfung im Pferdehuf sonst gemessen wurde, und sie ist der Kern der Abwägung zwischen Eisen und Kunststoff.

Bernsteinfarbener Huf-Grip als offener Buegel von oben, mit gerippter Oberflaeche und Bohrungen, freigestellt vor weissem Hintergrund.

Was macht der Winter mit dem Horn?

Weniger, als oft angenommen wird. Die Feuchtigkeit der Hufwand liegt bei knapp 30 Prozent und ändert sich kaum mit der Umgebung. Bei 40 verwilderten Pferden aus nassem, teilweise überflutetem und knochentrockenem Lebensraum lag sie in allen drei Gruppen praktisch gleich hoch. Der Winter trocknet das Horn also nicht aus.

Gemessen haben das Hampson und Kollegen 2012. In einem zweiten Versuchsteil weichten sie die Vorderhufe von sechs Quarter Horses zwei Stunden lang ein: Die Sohle nahm messbar Wasser auf, die Hufwand nicht.

Was sich im Winter tatsächlich ändert, ist der ständige Wechsel zwischen nassem Matsch und gefrorenem Boden – und die Zeit, die der Huf feucht und ohne Luft in Schmutz steht. Das betrifft eher Strahl und Sohle als die Wand.

  • Kratzen Sie die Hufe täglich aus, gerade wenn Matsch über Nacht gefriert.
  • Bieten Sie eine trockene Liegefläche an. Dauerhaft nasse Einstreu ist der schlechtere Teil des Winters.
  • Behalten Sie das Bearbeitungsintervall bei. Das Horn wächst weiter, auch bei Frost.
  • Beobachten Sie Barhufpferde daraufhin, ob sie auf gefrorenem, hartem Boden fühlig werden.

Ob ein Pferd den Winter besser barhuf übersteht, hängt vom Untergrund und vom Pensum ab. Die Abwägung dazu steht ausführlich im Beitrag zu Barhuf und Hufschutz, die Maße für den Fall eines Wechsels im Beitrag zum Hufschutz finden.

Bei plötzlicher Lahmheit nach einem Ausritt im Frost, bei Schwellungen oder bei anhaltender Fühligkeit gehört das Pferd zum Tierarzt, und die Frage nach dem passenden Winterbeschlag zum Hufschmied. Ein Beitrag ersetzt weder die Diagnose noch den Termin.

Eine Hand haelt den Huf eines Pferdes, an dem ein bernsteinfarbener Hufschutz mit blauen Gummieinlagen und Messinggewinden sitzt.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was hilft gegen Aufstollen beim Pferd?

Alles, was dem Schneeballen die Auflagefläche nimmt. Gewölbte oder geschlossene Flächen unter der Sohle geben ihm keinen Halt, offene Bügel brechen ihn beim Auffußen auf. Wichtig ist zusätzlich das tägliche Auskratzen, besonders bei nassem Schnee um null Grad, weil dann der Ballen am schnellsten wächst.

Braucht mein Pferd im Winter Stollen?

Nur, wenn der Untergrund es verlangt. Prüfen Sie vor dem Aufsatteln, was der Weg tatsächlich fordert. Auf geräumten, trockenen Wegen sind Stollen überflüssig und verändern das Auffußen ohne Gegenwert. Sinnvoll sind sie auf festem Schnee und gefrorener Wiese, wo der Huf sonst wegrutscht. Nach der Arbeit gehören sie wieder heraus, nicht in die Box.

Sind Stollen schlecht für die Gelenke?

Belegt ist, dass Stollen den Rutschweg des Hufs verkürzen. Genau dieser Rutschweg baut Energie ab, die dann anderswo abgebaut werden muss. Die Autoren der Stollenarbeit von 2012 nennen das ausdrücklich als offene Frage. Wie groß das Risiko dauerhaften Stolleneinsatzes ist, ist nicht geklärt.

Was unterscheidet Stollen von Mikrospikes?

Die Bauhöhe und der Einsatzbereich. Stollen bauen höher und verankern sich in weichem oder tiefem Boden. Mikrospikes bauen flach und greifen punktuell in harte, gefrorene Flächen. Beide werden beim DynamixIHT in dieselben Messinggewinde gedreht, sodass sich der Bedarf tageweise umstellen lässt.

Kann man im Winter barhuf reiten?

Viele Pferde kommen damit gut zurecht, weil die unbeschlagene Sohle weniger Fläche zum Verbacken bietet und beim Auffußen nachgibt. Grenzen setzt der Untergrund: gefrorene, tief zerfahrene Wege und blankes Eis überfordern auch gesunde Barhufe. Ausschlaggebend sind Hornqualität, Pensum und die Frage, ob das Pferd fühlig wird.

Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit künstlicher Intelligenz erstellt.