Auf der Werkbank in der Stallgasse liegen zwei Dinge nebeneinander: ein Eisen und ein bernsteinfarbener Kunststoffkörper mit farbigen Einlagen und goldfarbenen Gewinden. Der Unterschied fällt sofort auf.
Was er in der Praxis bedeutet, erklärt sich dagegen nicht von selbst. Dieser Beitrag beschreibt das System so, wie ein Fachmann es beurteilen würde: Aufbau, Befestigung, Größen, Zubehör.
Der DynamixIHT ist ein Verbund aus tragendem Kern und elastischen Polstern. Was er konstruktiv leistet, lässt sich beschreiben. Was er angeblich leistet, ist an mehreren Stellen nur Herstellerangabe.
Wichtige Erkenntnisse
- Zwei Werkstoffe, zwei Aufgaben. Ein tragender Kern übernimmt die Last, aufgesetzte Polster an Tragrand und Trachten nehmen den Bodenkontakt auf.
- Fünf Größen von 120 bis 160. Die Zahl ist die Hufbreite in Millimetern, gemessen an der breitesten Stelle.
- Befestigt wird genagelt oder geklebt. Acht vorgeformte Nagelkanäle, dazu ein Zehenaufzug und zwei seitliche Aufzüge gegen Verdrehen.
- Das Zubehör ist der eigentliche Systemvorteil. Stollen, Mikrospikes, Huf-Grip und Klebelaschen lassen sich einzeln tauschen, ohne den Schuh zu wechseln.
- Die Werbezahlen sind keine Studienergebnisse. „Über 90 Prozent Dämpfung“ und „zwei Drittel leichter als Eisen“ sind Angaben des Herstellers.
- Die zitierte Colorado-Arbeit ist eine Masterarbeit. Sechs Pferde, nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet – ein Hinweis, kein Beweis.
Der Zwei-Komponenten-Hufschutz Tragender Kern, elastische Polster, Messinggewinde für Stollen und Zubehör.
Zum DynamixIHTprimeWoraus besteht der DynamixIHT-Hufschutz?
Aus zwei fest verbundenen Werkstoffen. Der tragende Kern ist ein durchscheinender, bernsteinfarbener Kunststoffkörper. Darauf sitzen elastische Polster aus thermoplastischem Polyurethan an Tragrand und Trachten. Eingelassene Messinggewinde nehmen Stollen und Zubehör auf. Der Verbund trennt damit zwei Aufgaben voneinander: Tragen und Dämpfen übernehmen unterschiedliche Materialien.
Die einzelnen Bauteile und ihre Funktion:
| Bauteil | Wofür es da ist |
|---|---|
| Trägerkörper | trägt die Last; durchscheinend, dadurch bleiben Weiße Linie und Nagelkanäle sichtbar |
| Verschleißpolster an Tragrand und Trachten | nimmt den ersten Bodenkontakt auf und reibt anstelle des Kerns ab |
| Steg im Strahlbereich | verbindet die beiden Trachtenschenkel beweglich miteinander |
| Messinggewinde | nehmen Stollen, Mikrospikes und Schraubdeckel auf |
| Nagelkanäle | acht vorgeformte Kanäle für E-Slim- und MX-Nägel |
Die Trägerkörperstärke liegt je nach Größe zwischen 12,1 und 14,2 Millimetern, die Höhe des Verschleißbelags zwischen 4,1 und 5,1 Millimetern – nachzulesen in der Größentabelle des Herstellers.
Der Aufbau ist der Grund, warum pauschale Vergleiche zwischen „Eisen“ und „Kunststoff“ wenig taugen. Ein weicher Vollkunststoffschuh und ein Verbund aus hartem Kern und weichem Rand verhalten sich unter Last unterschiedlich. Wie sich die Werkstoffe im Detail unterscheiden, haben wir im Faktencheck zum Kunststoff-Hufschutz aufgeschrieben.

Wie wird der Hufschutz am Huf befestigt?
Auf zwei Wegen: genagelt oder geklebt. Beim Nageln laufen die Nägel durch acht vorgeformte Kanäle im Trägerkörper. Weil das Material durchscheinend ist, bleibt die Weiße Linie beim Setzen sichtbar. Alternativ wird der Schuh mit aufgesetzten Klebelaschen an der Hufwand fixiert, ganz ohne Nagellöcher in der Wand.
Gegen das Verdrehen arbeitet eine Drei-Punkt-Fixierung: ein fester Zehenaufzug vorn und zwei seitliche Aufzüge. Diese seitlichen Aufzüge sind nach Darstellung des Herstellers kein Zubehör, sondern Konstruktionsmerkmal.
Dafür gibt es einen Anhaltspunkt aus der auf der Herstellerseite dokumentierten Arbeit von Perino an der Colorado State University aus dem Jahr 2002: Ohne die seitlichen Aufzüge lahmten die Pferde dort signifikant häufiger. Die Einordnung gehört unbedingt dazu – es handelt sich um eine Masterarbeit mit sechs Pferden, die nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet wurde.
Welcher Weg wann sinnvoll ist, hängt vor allem am Zustand der Hufwand:
| Situation | Eher nageln | Eher kleben |
|---|---|---|
| feste, dickwandige Hufe | passt | möglich |
| dünne oder brüchige Hufwand | ungünstig | passt |
| viele alte Nagellöcher | ungünstig | passt |
| Hornspalt im Nagelbereich | ungünstig | passt |
| Nässe und dauerhaft feuchte Einstreu | passt | Haftung prüfen |
Die Abwägung im Detail steht in unserem Beitrag Hufschutz nageln oder kleben.

Welche Größen gibt es und wie wird gemessen?
Fünf Größen, benannt nach der Hufbreite in Millimetern. Die Bezeichnungen 120, 130, 140, 150 und 160 geben jeweils die Breite an der breitesten Stelle des Hufes wieder. Gemessen wird zusätzlich die Länge von der Hufspitze bis zum Trachtenende. Zwischengrößen gibt es nicht, gerundet wird nach dem Sitz am Huf.
Die Maße der einzelnen Größen laut Hersteller:
| Größe | Breite | Länge mit fixem Aufzug | Trägerkörperstärke | Höhe Verschleißbelag |
|---|---|---|---|---|
| 120 | 120 mm | 128–134 mm | 12,1 mm | 4,1 mm |
| 130 | 130 mm | 139–146 mm | 12,2 mm | 4,4 mm |
| 140 | 140 mm | 149–159 mm | 12,3 mm | 4,7 mm |
| 150 | 150 mm | 162–171 mm | 14,1 mm | 4,9 mm |
| 160 | 160 mm | 174–182 mm | 14,2 mm | 5,1 mm |
Gemessen wird am frisch bearbeiteten Huf, nicht am ausgewachsenen. Ein Huf, der seit sieben Wochen nicht bearbeitet wurde, ist vorn länger und liefert ein irreführendes Längenmaß. Für sehr kleine Hufe haben wir die Grenzen des Systems in einem eigenen Beitrag beschrieben.
Erst messen, dann bestellen
Hufbreite und Huflänge entscheiden über die Größe. Die Tabelle führt in zwei Minuten zum Ergebnis.
Zur Größentabelle
Welches Zubehör gehört zum System und wofür?
Zubehör, das einzeln getauscht wird, statt den ganzen Schuh zu ersetzen. Die Messinggewinde im Trägerkörper nehmen Stollen, Mikrospikes und Schraubdeckel auf. Dazu kommen Klebelaschen für die Montage ohne Nägel, seitliche Aufzüge, der Huf-Grip für den Winter sowie das Werkzeug zum Ein- und Ausdrehen der Gewindeteile.
| Teil | Wofür |
|---|---|
| Stollen | Halt auf weichem, tiefem oder rutschigem Boden |
| Mikrospikes | flacher Grip, auch für harte Böden und Eis |
| Huf-Grip | offener Bügel gegen Aufstollen bei Schnee |
| Seitliche Aufzüge | Verdrehsicherung, Teil der Drei-Punkt-Fixierung |
| Klebelaschen | Befestigung ohne Nägel durch die Hufwand |
| Insert und Schraubdeckel | verschließen und erneuern das Gewinde |
| Dreher, Ein- und Ausdreher, Kreuzschlüssel | Werkzeug zum Setzen und Lösen der Gewindeteile |
Der Huf-Grip passt laut Hersteller auf alle fünf Größen; die Überlänge wird abgeschnitten und mit einem Heißluftfön mit 9-Millimeter-Düse eingeschweißt.
Praktisch bedeutet das: Ein abgenutzter Stollen kostet einen Stollen, nicht einen Beschlag. Für den Wintereinsatz haben wir die Kombinationen im Beitrag zum Winterbeschlag zusammengestellt.
Verschleißteile einzeln nachbestellen
Stollen und Mikrospikes werden in dieselben Messinggewinde gedreht – der Schuh bleibt am Huf.
Zu Stollen und Mikrospikes
Für welche Pferde und Einsätze passt das System?
Dort, wo Dämpfung, geringes Gewicht oder eine Befestigung ohne Nägel den Ausschlag geben. Das betrifft harte Böden, empfindliche Hufwände, Winterbedingungen und den Trabrennsport, für den es eine eigene Bauform gibt. Für ein Pferd, das barhuf auf weichem Boden zurechtkommt, löst das System dagegen kein Problem, das vorhanden wäre.
| Einsatz | Was für das System spricht | Was zu prüfen ist |
|---|---|---|
| Viel Asphalt und Schotter | dämpfende Polster am Tragrand | Abrieb des Verschleißbelags |
| Dünne, brüchige Hufwand | Montage mit Klebelaschen möglich | Haftung bei Nässe |
| Winter mit Schnee und Eis | Huf-Grip und Mikrospikes im Gewinde | rechtzeitig montieren |
| Trabrennsport | eigene Traber-Bauform, geringes Gewicht | Reglement des Verbands |
| Barhuf auf weichem Boden | wenig zusätzlicher Nutzen | oft gar kein Beschlag nötig |
Die Traber-Variante ist flacher aufgebaut und hat eine geschlossenere Auflagefläche; wir beschreiben sie im Beitrag zum DynamixIHT Traber. Wer noch unschlüssig ist, welches System überhaupt passt, findet in Hufschutz finden eine Entscheidungshilfe.
Die Montage bleibt in jedem Fall Sache einer ausgebildeten Fachkraft. In Deutschland regelt das Hufbeschlaggesetz, wer Hufbeschlag ausüben darf; in Österreich ist der Huf- und Klauenbeschlag ein reglementiertes Gewerbe mit Befähigungsnachweis. Ein falsch gesetzter Schuh richtet mehr Schaden an als gar keiner.

Was kann der DynamixIHT-Hufschutz nicht?
Er heilt nichts, und die auffälligsten Zahlen der Werbung sind keine Studienergebnisse. Der Hufschutz kann entlasten, dämpfen und eine Behandlung begleiten. Ein Krankheitsbild behebt er nicht. Wer das System einsetzt, sollte außerdem wissen, wo die Belege dünn sind – das ist bei mehreren zentralen Aussagen der Fall.
Die drei häufigsten Zuschreibungen, sauber getrennt:
| Aussage | Was sie tatsächlich ist |
|---|---|
| „Über 90 Prozent Dämpfung“ | Angabe des Herstellers auf der Seite Produktmerkmale, nicht das Ergebnis einer begutachteten Messreihe |
| „Zwei Drittel leichter als Eisen“ | Herstellerangabe; belastbar wird sie erst durch nachgewogene Gewichte im konkreten Fall |
| „Wissenschaftlich bestätigt“ | trifft so nicht zu; die zitierte Arbeit ist eine Masterarbeit mit sechs Pferden |
Die auf der Herstellerseite dokumentierte Arbeit von Perino aus dem Jahr 2002 berichtet geringere Lahmheit gegenüber unbeschlagenen Pferden, eine reduzierte laterale Kronrandkompression bei unbalancierten Hufen und die höchste Bodenreaktionskraft in der Dynamix-Gruppe. Sie nennt weder eine Dämpfungsquote noch einen Gewichtsvergleich.
Was ebenfalls fehlt:
- Keine Langzeitdaten. Es gibt keine Untersuchung, die Pferde über Jahre begleitet und Gelenkschäden oder Lahmheitshäufigkeit zwischen den Systemen vergleicht.
- Kein Ersatz für Hufbearbeitung. Der Termin richtet sich nach dem Hornwachstum, nicht nach dem Verschleiß des Schuhs.
- Kein Vorteil bei jedem Boden. Auf tiefem Sand ist der Unterschied zu anderen Systemen klein.
- Keine Selbstmontage. Ohne Ausbildung und Werkzeug geht es nicht.
Wie belastbar die Messdaten zur Dämpfung insgesamt sind, ordnen wir im Beitrag zur Stoßdämpfung am Pferdehuf ein. Bei Lahmheit, Hufrehe oder einem Hornspalt entscheidet ohnehin nicht die Produktbeschreibung, sondern der Behandlungsplan von Tierarzt und Hufschmied.

FAQ – Häufig gestellte Fragen
Woraus besteht der DynamixIHT-Hufschutz?
Aus einem tragenden Kern aus durchscheinendem Kunststoff und aufgesetzten elastischen Polstern aus thermoplastischem Polyurethan an Tragrand und Trachten. Eingelassene Messinggewinde nehmen Stollen, Mikrospikes und Schraubdeckel auf. Acht vorgeformte Nagelkanäle sind bereits im Trägerkörper angelegt, sodass beim Nageln nicht frei gesucht werden muss.
Welche Größen gibt es beim DynamixIHT?
Fünf Größen: 120, 130, 140, 150 und 160. Die Zahl entspricht der Hufbreite in Millimetern an der breitesten Stelle. Die zugehörige Länge liegt je nach Größe zwischen 128 und 182 Millimetern. Gemessen wird am frisch bearbeiteten Huf, weil ein ausgewachsener Huf ein zu großes Längenmaß liefert.
Wird der DynamixIHT genagelt oder geklebt?
Beides ist vorgesehen. Genagelt wird durch acht vorgeformte Kanäle im durchscheinenden Trägerkörper, geklebt mit gesonderten Klebelaschen an der Hufwand. Kleben ist die Wahl bei dünner, brüchiger Wand oder vielen alten Nagellöchern. Bei dauerhaft feuchten Bedingungen muss die Haftung des Klebers geprüft werden.
Stimmt die Angabe von über 90 Prozent Dämpfung?
Das ist eine Angabe des Herstellers, kein Ergebnis einer begutachteten Untersuchung. Die auf der Herstellerseite zitierte Arbeit der Colorado State University ist eine Masterarbeit mit sechs Pferden aus dem Jahr 2002 und enthält diese Zahl nicht. Die Angabe sollte deshalb als Herstellerangabe gelesen werden.
Welches Zubehör lässt sich einzeln nachkaufen?
Stollen, Mikrospikes, Schraubdeckel, Inserts, seitliche Aufzüge, Klebelaschen und der Huf-Grip für den Winter. Dazu kommt Werkzeug wie Dreher, Ein- und Ausdreher sowie Kreuzschlüssel. Verschlissene Gewindeteile werden getauscht, ohne dass der Hufschutz selbst vom Huf genommen werden muss.